Tour Bohème - hinter allen Links verbirgt sich ein Konzertbericht
Tourdaten:
| 03.03.05 Lüneburg | 22.03.05 Leipzig | 07.04.05 Lübeck | 15.04.05 Chemnitz |
| 04.03.05 Wolfenbüttel | 29.03.05 Kiel | 08.04.05 Hannover | 05.05.05 München |
| 05.03.05 Buchholz | 30.03.05 Berlin | 09.04.05 Magdeburg | 06.05.05 Saarbrücken |
| 16.03.05 Flensburg | 31.03.05 Berlin | 10.04.05 Köln | 07.05.05 Nürnberg |
| 17.03.05 Hamburg | 01.04.05 Berlin | 11.04.05 Essen | 08.05.05 Koblenz |
| 18.03.05 Bremen | 04.04.05 Dresden | 13.04.05 Stuttgart | 09.05.05 Freiburg |
| 20.03.05 Kassel | 05.04.05 Frankfurt/M. | 14.04.05 Halle |
Lüneburg 03.03.2005
Annett Louisan beim Tourauftakt in Lüneburg
Lüneburg (dpa) - Lieder über schöne Langweiler, schrecklich perfekte Frauen und schwierige Entscheidungen, zart dahingesungen und beschwingt begleitet - mit dieser Mischung hat Annett Louisan ihr Publikum bei ihrem ersten Live-Konzert in Lüneburg verzaubert.
Der Liederabend vor mehreren hundert Besuchern in der Kulturhalle Vamos war der Auftakt für die erste Tournee der 25 Jahre alten Sängerin aus Hamburg. Ganz in schwarz, mit Baskenmütze auf dem blond wallenden Haar, meistert die Neuentdeckung des deutschsprachigen Pop ihre Premiere so souverän wie ein alter Profi. Entspannt und ohne große Showeinlagen singt sie ihre deutschsprachigen Chansons, plaudert und flirtet mit den Zuhörern, von denen viele dem Alter nach ihre Eltern sein könnten.
Louisans Musik ist eine leichte Mischung aus Jazz, Pop und Bossa Nova, unaufdringlich und harmonisch gespielt von einer fünfköpfigen Band mit Contra-Bass, Akustikgitarre und Cello. Der Gesang der zierlichen jungen Frau mit dem Puppengesicht entspricht ganz ihrem Äußeren: Sie zwitschert, haucht und summt mit sanfter, zurückgenommener Stimme und gibt sich niedlich und naiv.
Doch die Texte erzählen ironisch und bissig von den Dingen, um die sich Popsongs schon immer drehten: Gefühle und Beziehungen. In dem Song «Die Gelegenheit» geht es um die Liebe fürs Leben und den idealen Moment für einen Heiratsantrag, ohne dabei Kitsch aufkommen zu lassen. Das verhindern Zeilen wie «mach mir ein Kind, bau mir ein Nest, ich glaube heut ist der Tag, an dem ich dich ein Leben ertrag».
Neben den Songs von ihrem Album «Bohème» präsentiert Louisan auch einige Stücke, die vorher noch nirgends zu hören waren. Darunter das Lied «Eve» über eine unerträglich perfekte Frau, die in jeder Lebenslage «positiv, attraktiv, kreativ» ist. Nachdenklich wird es in dem Stück «Das Gefühl», in dem die Sängerin Emotionen anprobiert wie Kleider. «Hier zu eng, da zu streng, irgendwo kneift es mich, das Gefühl steht mir nicht.» Die Texte stehen der jungen Sängerin dagegen gut. Ihr Texter und Produzent Frank Ramond erklärt das mit der engen Zusammenarbeit: «Wir treffen uns, sie erzählt mir ihre Geschichten und Erlebnisse, und ich arbeite das ab», schildert er.
Der Kontrast zwischen mädchenhaftem Charme und Ironie kommt an. «Mir hat es gut gefallen, weil von naiv bis obszön alles dabei war», sagt Konzertbesucher Dirk Finger aus Lüneburg. «Die Musik ist angenehm fürs Ohr und der Inhalt hat Biss.» Auch Annett Louisan selbst ist glücklich nach ihrem Tourneestart: «Das war meine erste Begegnung mit dem großen Publikum, und es hat wahnsinnigen Spaß gemacht», sagt sie. «Ich freue mich riesig auf alles, was jetzt kommt.»
Autor: Artikel vom 04.03.05 11:51 Quelle: wz-newsline.de
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Sängerin Annett Louisan feierte erfolgreichen Tourneestart
Lüneburg (dpa) - Die Chansonsängerin Annett Louisan ist von ihren Fans bei ihrem Tourneeauftakt in Lüneburg begeistert gefeiert worden. Begleitet von einer fünfköpfigen Band sang die Künstlerin am Abend Songs von ihrem Album «Bohème» und einige neue Stücke. Ein Höhepunkt des Konzerts vor mehreren hundert Zuschauern war Louisans Hit «Das Spiel». Die Musik der 25-jährigen Hamburgerin ist eine Mischung aus Jazz und Pop. Ihre erste Deutschland-Tournee geht bis zum 9. Mai, Louisan wird in 25 Städten auftreten.
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Ehen retten und gar neue stiften
Diese Lieder können Ehen retten und gar neue stiften Annett Louisan: Tour-Auftakt in Lüneburg
Ganz hinten rechts weit in der Ecke stand eine rote Chaiselongue, darüber hing ein opulentes Bild von einer Frau in Rot und mit recht üppigem Dekolleté. Die Ecke sah so aus, als habe sich ein Bühnenbildner in den Fünfzigern gut überlegt, wie wohl Verruchtheit auf die Bretter zu bringen wäre, ohne gleich an ein Bordell zu gemahnen. Jetzt diente die Ecke als Refugium für ein reizendes Geschöpf, so wie im Wildpark, wo die Raubkatzen dann und wann sich von Besuchern distanzieren mögen.
Zu Anfang aber stand Annett Louisan ganz vorne, wie es sich gehört für einen Star in der Manege, auch wenn die bloß in Lüneburg aufgebaut ist und den seltsamen Namen Vamos trägt. Zwei Holzgitarren, Schlagwerk, Standbaß und ein Cello hinter ihr, die Stimme zittert noch ein kleines bißchen, es ist still im ausverkauften Rund. Louisan erzählt lustige Geschichten, so wie in ihren Liedern, es wird gelacht. Nachtclub-Jazz flirrt durch die Luft, Annett lümmelt sich auf dem roten Samt, singt "Die Formel" und "Das Gefühl", dann einen neuen Song über ihre Freundin Eve und einen gewissen Steve. Eve ist ein Glückskind, fällt immer auf die Füße, nimmt noch nach dem vierten Kind nicht zu und ist sogar eine Nette. Hassenswert. Solche Schnurren aus dem Fundus von Frauengenerationen, von erotischen Träumen und schnödem Erwachen sind die Welt der Louisan. Nicht ihre Erfindung, gewiß, aber immerhin von ihr und ihren kongenialen Helfern aus dem Dornröschenschlaf erweckt.
In letzter Zeit, erzählt die Louisan, während hinter ihr ein fahler Mond am Firmament schaukelt, "rufen immer wieder Freunde unter fadenscheinigen Begründungen an und fragen irgendwann, ob sie womöglich dieser Blender seien." Nein, sage sie dann, "aber gut, daß du darüber nachdenkst." Dann singt sie ihn, den Blender, den Song vom Mann zum Hereinfallen. Für ihre Ode an die Trägheit, ans anstrengende Zeit vertreiben und verschwenden setzt sich Annett Louisan wieder neben die Ikea-Reispapierstehlampe aufs Sofa, später wird sie ihren ersten Hit "Das Spiel" singen und nicht wie die Popband Juli damit leben müssen, daß viele nur des einen Liedes wegen hier sitzen. Dann singt die 25jährige Rio Reiser ein neues Lied, in dem sie sich fragt, wie wohl die Zeit bis zur Beerdigung zu vertreiben wäre.
Nach 90 wunderbaren Minuten helfen altgediente Ehemänner ihren Frauen wieder in den Mantel und denken sich diese Frauen ein paar hübsche Tricks für später aus. Annett Louisans Lieder, da sind wir sicher, können Ehen retten. Und stiften. Und sie machen einen Höllenspaß. kru
Artikel erschienen am 05.03.2005 Quelle: welt.de
Leben, Liebe, Lust – alles scheint für Annett Louisan ein Spiel zu sein. Und das beherrscht sie vom ersten Moment an gut. "Danke schön", haucht sie artig ins Mikrofon als wolle sie sich nicht bei ihrem Publikum für den Applaus, sondern bei einer Tante für das Weihnachtsgeschenk bedanken. Rasch wischt sie dann mit einem frechen Spruch alles Mädchenhafte weg.
Annett Louisan wirkt doppelt. Als sie gestern Abend um 21.10 Uhr nach der Vorgruppe Michel van Dyke die Bühne des Wolfenbütteler Lessingtheaters betritt, sieht sie auf den ersten Blick in ihrem schwarzen Glockenrock und Pullover fast unauffällig aus. Doch auf den zweiten Blick entfaltet das brave Kostüm verführerische Reize mit den hohen Stiefeln und keck sitzender Mütze.
Zierlich, süß, niedlich – die nur 152 Zentimeter große Sängerin wird gerne wie eine Puppe beschrieben. Ihre blonden Locken und die zarte Kleinmädchenstimme unterstützen den Eindruck. Doch wer die Wahlhamburgerin als Schmusesängerin abtut, unterschätzt sie gewaltig.
Annett Louisan hat Spaß am Spiel – nicht nur in ihren Liedern. Was sich wie seichter Singsang ins Gehör schmeichelt, setzt sich dort mit seinen frech-frivolen Texten fest. Sie tanzt den Männern gehörig auf der Nase herum, entlarvt mit Unschuldsmiene den Blender und den Schönling.
Der Kontrast, das doppelte Spiel sind die Stärken der 25-Jährigen: Naiv und verführerisch, zarte Stimme und forsche Texte. Auch auf der Bühne spielt sie. Mal plaudert sie mit den Zuschauern, als seien es Freunde, dann räkelt sie sich auf dem knallroten Sofa wie eine distanzierte Diva und überlässt ihrer Band die Aufmerksamkeit.
Das Konzert in Wolfenbüttel ist das zweite auf ihrer Bohème-Tour. Ihre Anspannung ist noch zu spüren. Ihre Stimme klingt live ungeschliffener als auf der CD. Dafür zeigt Annett Louisan aber Lust am Experimentieren. Mal singt sie die Melodien zart-säuselnd, mal betont sie den Boulevard-Jazz. Bei "Die Formel" probiert sie, wie wohl eine rockigere Version klingt. Annett Louisan spielt ihr Spiel. Bis Redaktionsschluss hat ihr das bereits viel Beifall eingebracht, der sich noch gesteigert haben dürfte. Samstag, 05.03.2005 Quelle: newsclick.de
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