Startseite

Interviews mit Annett Louisan

 
Interview mit SuperIllu
Interview mit planet-interview.de
Interview mit der Super-Illu am 21.09.07
Interview mit dem Stern
Interview und Radiokonzert am 29.08.07 im RBB Radio1
Interview am 28.08.07 im NDR 90,3
Interview am 27.08.07 im NDR2
Interview im NDR1 Welle Nord
 

Interview mit der SuperIllu Juni 2008

Es geht immer auch um Sex!
Die deutsche Königin des Chansons singt am 7. Juli beim »Classic Open Air«-Festival auf dem Gendarmenmarkt. SUPERillu sprach mit der schönen Künstlerin aus Sachsen-Anhalt über ihren Erfolg, ihre Wurzeln – und über die Liebe.

Was für eine Überraschung: Sie sind ja gar nicht mehr hellblond!
Stimmt, ich bin zurückgekehrt zu meiner eigentlichen Haarfarbe und bin schwer gespannt: Blond oder nicht blond – das ist ein Riesenunterschied! Blond heißt: Den ersten Blick hast du sicher. Bei dunkel hast du aber den zweiten Blick – und der ist auch sehr interessant… (lacht).

Das gilt auch für Ihr drittes Album »Das optimale Leben«. Es war sehr erfolgreich – wieder einmal – und hielt sich 30 Wochen in den Charts. Eine Bestätigung?
Sicher! Und ich bin natürlich extrem stolz auf das Ergebnis! Vor allem, weil ich es geschafft habe, allein mit der Musik zu überzeugen.

Sie sind erst 31 Jahre alt und werden bereits als »Grande Dame« des deutschen Chansons bezeichnet. Wie finden Sie das?
Ich freue mich auf die Zeit, in der ich älter werde und mir diesen Titel mit den Jahren wirklich verdienen kann. Denn dazu gehört für mich auch, Ecken und Kanten zu haben, viel erlebt zu haben und dann auch über schwerere Themen singen zu können. Man muss die Erfahrung – auch Leid und harte Zeiten – in der Stimme hören können!

Groß geworden sind Sie in der DDR. Sie selbst haben sich mal als »lautes, glückliches Kind im Plattenbau« bezeichnet.
Richtig, aufgewachsen und zur Schule gegangen bin ich in Schönhausen, westlich von Berlin – ein richtiges Dorf mit 3.000 Einwohnern. Das Einzige, wofür Schönhausen bekannt ist, ist dass hier Otto von Bismarck geboren wurde (lacht). Ein nettes Örtchen.

Da Ihre Mutter berufstätig war, haben sich Ihre Großeltern um Sie gekümmert. Wie ist das Verhältnis zu Oma und Opa?
Mein Großvater lebt leider nicht mehr. Aber meine Oma ist natürlich unheimlich stolz. Schon als Kind habe ich viel Musik gemacht, gesungen – für meine Oma ist also eigentlich alles so gekommen, wie es sollte (lacht). Ich habe es immer als Vorteil gesehen, auch die ältere Generation zu kennen, von ihr geprägt zu werden. Es war die Kriegsgeneration – und ich habe viel von den beiden gelernt.

Was bedeutet es Ihnen, die Kindheit in der DDR erlebt zu haben?
Sehr viel. Meine Wurzeln liegen in Ostdeutschland. Ich bin von der Region – und auch vom Sozialismus – geprägt worden. Allerdings war ich auch sehr froh, dass ich mit 13 mit meiner Mutter nach Hamburg gegangen bin. So haben mich zwei Phasen sehr geprägt: Zuerst die Kindheit im Osten auf dem Land, später dann die Pubertät im Westen in der Großstadt.

Mit Ihrer Band waren Sie gerade drei Monate am Stück auf Konzert-Tournee. Wie lief’s?
Das war die schönste Tour meines Lebens! Es war einfach sehr emotional: Ich habe auf der Bühne geweint – und meine Musiker gleich mit! Zwischen uns ist es sehr familiär, wir sind gute Freunde. Gemeinsam sind wir bis an unsere Grenzen gegangen, haben jeden Abend versucht, noch besser zu sein als am Abend davor. Am Ende konnten wir fast nicht mehr – ein tolles Erlebnis!

Ihre Musik ist ebenfalls sehr emotional, beschäftigt sich mit Liebe, Verlust… Wie viel Annett steckt in Ihren Texten?
Auch schon bei den ersten beiden Alben war ich sehr nah dran. Ich hatte Geschichten, Themen, Gefühle auf der Seele, die wir in Musik umgesetzt haben. Allerdings sind die Texte nicht eins zu eins aus dem Leben übernommen. Man macht sie spritziger, forscht in der Psychologie nach und macht sie so erst zu einem Song.

Ist Liebe unser größtes Thema?
Ganz sicher! Jeder Mensch wird davon getrieben, dass er geliebt werden will. Das große Auto, der Erfolg im Beruf – auch dabei geht es um Anerkennung, darum, akzeptiert zu werden und sich nicht allein zu fühlen. Und es geht immer auch um Sex – in allem, was wir machen und was wir erleben! Selbst der Tod hat mit Sex zu tun: Gerade wenn jemand verstorben ist, rücken die Menschen näher zusammen, sehnen sich nach Nähe – und auch nach Körperlichkeit. Für mich ist das äußerst interessant!

Sind Sie »emanzipiert«?
Für meine Musik suche ich eher nach den Gemeinsamkeiten zwischen Frauen und Männern. Privat bin ich wohl beides: Auf der einen Seite habe ich etwas Dominantes – aber andererseits auch etwas Devotes. Ich weiß genau, was ich will, brauche ganz viel Freiraum für mich selbst. Aber ich brauche auch eine starke Schulter. Und ich kann die Stärke eines Mannes gut annehmen.

Im Song »Ich …be Dich« geht es um die schwierigen Anfänge mancher Beziehung. Wie war das bei Ihnen und Ihrem Mann?
So kitschig es klingen mag: Aber es war tatsächlich Liebe auf den ersten Blick! Sehr romantisch! Es hatte etwas von einem Roman.

Am 7. Juli treten Sie im Rahmen des »Classic Open Air«-Festivals auf dem Berliner Gendarmenmarkt auf. Wie kam es dazu?
Ich hatte bereits ein Konzert mit dem Filmorchester Babelsberg gespielt: Ein irres Erlebnis! Es war fantastisch, die Lieder, die man so gut kennt, in orchestraler Umsetzung zu erleben. Als die Macher des Festivals mich fragten, war ich also sofort begeistert. Ich weiß: Es wird ein ganz, ganz besonderes Konzert in meinem Leben.

Interview: Victoria Teichert
Quelle: www.super-illu.de

Nach oben

Interview mit planet-interview.de

Irgendwann holen dich deine Wünsche ein.
Annett Louisan über ein ‚optimales’ Leben, Popularität, Selbstbewusstsein, die 'Männerkrise', Texte und den Kollegen Roger Cicero

Annett, als du 2007 dein drittes Album „Das optimale Leben“ veröffentlicht hast, warst du da noch aufgeregt oder war das bereits Routine für dich?
Louisan: Um Gottes willen! Wenn das jetzt schon Routine wäre, das wäre ja ganz abträglich. Nein, vom Maß der Aufregung her ist es im Gegenteil noch wie am ersten Tag. Natürlich hat sich ein bisschen was verändert, ich hab mich ja auch verändert und bin nicht mehr das Küken, das ins kalte Wasser tappt. Aber man fängt trotzdem bei jedem Album wieder bei Null an. Und auch jeden Abend auf der Bühne ist es so. Man geht rauf und muss das Publikum von Neuem überzeugen.

Führst du denn jetzt gerade ein „optimales Leben“?
Louisan:
(Lacht.) Naja. Doch, ich bin an sich sehr glücklich, obwohl Zufriedenheit mir eigentlich nicht so gut steht. Eine kleine Unzufriedenheit spornt mich immer auch an, denn ich bin jemand, der aus so was sehr viel schöpft und der motiviert ist, weiter dran zu arbeiten. Ich glaube, der Zustand, kurz bevor man etwas erreicht hat, ist der optimale Zustand. Du weißt noch nicht so genau, wie es wird, aber du bist kurz davor und bist vor allen Dingen noch nicht in der Bredouille, dass du dir ein neues Ziel suchen musst.
Aber an sich geht’s mir natürlich sehr gut, klar.

Inwieweit hast du dich durch den Erfolg deiner beiden Alben "Boheme" und "Unausgesprochen" verändert?
Louisan:
Ich glaube, um mal mit dem Negativen anzufangen, dass ich sehr viel ungeduldiger geworden bin. Ich war früher gelassener und die Schnelligkeit des Musik-Business hat mich ein bisschen versaut. Ansonsten weiß ich heute besser, was ich will und fühle mich wohl. Auch mit dem Alter und mit all dem, was ich mache. Ich glaube, darauf kommt es an: sich mit dem wohlzufühlen, was man tut. Ansonsten hab ich mir ein dickeres Fell zugelegt, den Umgang mit der Öffentlichkeit musste ich ja erst lernen.

Wie sehr stehst du denn mit deinem Leben in der Öffentlichkeit?
Louisan:
Natürlich viel mehr als früher. Aber ich denke, ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man das schon ein Stück weit kontrollieren kann. Nicht alles, aber man kann kontrollieren, wie weit man geht. Und da halte ich mich zurück, weil ich glaube, dass es sehr abträglich ist, wenn man die Tür zu weit öffnet. Ich versuche immer, die Aufmerksamkeit durch meine Musik zu bekommen und auch alle Aufmerksamkeit dahin zu lenken.

Aber es passiert dir ja bestimmt auch, dass Leute dich auf der Straße ansprechen und ein Autogramm wollen.
Louisan:
Klar, das ist so. Ich habe festgestellt, dass das immer so in Schüben passiert. Nach irgendwas, vielleicht einer Ausstrahlung im Fernsehen oder so, ist das immer mal wieder unglaublich stark, so dass ich beim Shoppen überhaupt nicht vorankomme. Und dann wieder fühle ich mich komplett frei. Aber Hamburg ist auch eine gute Stadt zum Leben, denn die Hamburger sind sehr dezent und schauen sich höchstens mal um, wenn man schon vorbeigegangen ist.

Du bist seit fast drei Jahren verheiratet. Hat dein Mann ein Problem mit deiner Popularität?
Louisan:
Nein, zum Glück nicht. Er ist ein sehr selbstbewusster Mann, das erleichtert vieles. Aber ich glaube, das hat auch gar nicht so viel mit dem Ruhm oder meiner Bekanntheit zu tun. Er kommt einfach allgemein gut mit einer starken Persönlichkeit neben sich zurecht. Und das reizt mich und ist einer der Gründe, warum ich ihn so liebe.

Magst du also eher starke Männer?
Louisan:
Ja, ich mag selbstbewusste Männer. Und ich finde es wichtig, dass man sich in einer Beziehung auch entwickeln und verändern darf. Ich glaube, das ist der Punkt, an dem viele Leute Probleme bekommen. Die Rollen werden gleich am Anfang verteilt und wenn sich dann irgendwas verändert und der Mensch neue Wege gehen muss, sei es weil die Frau einen Karriereschub kriegt oder der Mann oder weil Kinder ins Spiel kommen, dann kriselt es meistens. Deshalb haben wir uns in unserer Beziehung versprochen, dass wir nicht zu festgefahren sind und auch zulassen, dass der andere sich verändert.

Es scheint ja zu funktionieren.
Louisan:
Ja, und ich finde es immer noch sehr abgefahren. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal heirate! Aber wenn's dann soweit ist und der Richtige kommt, dann ist das egal. Bei uns war es ja auch eher ein Kurzschluss, eine spontane Geschichte. Wir kannten uns erst ein Jahr, aber ich hab's nicht bereut. Es ist toll!

In vielen deiner neuen Songs geht es um Affären und Enttäuschungen. Willst du damit eine Message rüberbringen?
Louisan:
Message-Geschichten sind nicht mein Ding. Ich versuche immer, einen Grund zu finden, ein Album zu veröffentlichen. "Das optimale Leben" ist die Gedankenwelt, die momentan sehr nah an mir dran ist. Es geht um Lebenserfüllung, aber auch Geplatztes, da gehört die Nüchternheit genauso wie die Traumwelt dazu. Deshalb hab ich diese beiden Gegensätze ganz bewusst gewählt.

Du hast also nicht selbst irgendwelche schlechten Erfahrungen gemacht?
Louisan
: Nein. Aber das Leben an sich ist eben so. Wenn man älter wird, erwachsener wird, kommt eine gewisse Desillusion dazu. Du erfährst einfach viel mehr, weißt viel mehr über dich selbst und nimmst das, was dich umgibt, stärker wahr. Klar ist es manchmal einfacher, naiver zu sein und wie ein Traumtänzer durch die Gegend zu fahren, und man würde sich auch manchmal wünschen, gewisse Dinge über die Liebe nicht zu wissen. Aber auf der anderen Seite ist natürlich das, was man erfährt und die Stärke und die Verantwortung, die man immer mehr für sich als Mensch übernimmt, auch was ganz Tolles.

In "Wenn man sich nicht mehr liebt" geht es um ein Paar, das noch zusammenlebt, obwohl es sich nicht mehr liebt. Das kann man ja schon als Aufforderung verstehen, die Beziehung dann doch bitte zu beenden.
Louisan:
Um Gottes willen, nein! Ich bin zwar jemand, der ganz viele Ängste hat, aber ich bin auch jemand, der unglaublich darauf steht, diese zu überwinden. Ich gehe gern Risiken ein und das ist wahrscheinlich auch der Punkt, warum ich mich ganz oft mit Themen befasse, wo man an einer Kippe steht und sich fragt: "Bin ich jetzt vernünftig oder höre ich auf meinen Bauch?"

Und du bist eher der Bauchtyp?
Louisan:
Unbedingt, ja. Ich bin nicht der mutigste Mensch der Welt, aber ich versuche es zu sein, weil ich weiß, dass es sich sonst irgendwann rächt. Irgendwann holen dich deine Wünsche ein, dein Innerstes. Irgendwann holst du dich selbst ein.

Gab es Situationen, in denen du dir danach gesagt hast, hier hätte ich besser auf meinen Bauch hören sollen?
Louisan:
Ganz sicher gab es die. Aber das Leben ist ja so konzipiert, dass man die Dinge, die man tut, nicht überprüfen kann. Man kann letztendlich nie wissen, ob man etwas falsch gemacht hat, denn man lebt ja nur einmal. Selbst wenn man das Gefühl hat, das war jetzt total falsch – oder auch richtig – kann man es nie hundertprozentig wissen, denn alles beeinflusst sich. Das ist zugleich das Gute am Leben und ich denke, darum macht es so viel Spaß und ist so spannend. Weil man Entscheidungen nicht überprüfen kann, bleibt ein Stück Magie.
Der Text von "Das wäre nie passiert" ist ein Beispiel für die schönen Dinge des Lebens.... Hast du Ähnliches schon selbst erlebt?
Louisan:
Der Text ist autobiographisch, das muss ich schon zugeben. Sonst hätte mich das Thema auch gar nicht interessiert. Alkohol ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft und klar gibt es oder gab es auch Momente in meinem Leben, die ein bisschen peinlich waren oder wo einfach ziemlich viel schief gegangen ist. Dabei bin ich eigentlich ein Kontrollfanatiker. Ich mag es sehr, mich unter Kontrolle zu haben und somit ist Kontrollverlust für mich alles andere als angenehm. Aber das ist genau das Paradoxe, dass man sich manchmal ganz bewusst in eine Situation hineinbegibt und weiß, was dabei alles passieren kann, aber man tut es trotzdem. Der Song ist auf jeden Fall nicht wertend gemeint. Es gibt keinen Zeigefinger, kein Positiv oder Negativ. Es ist wie in allen meinen Songs einfach eine Geschichte, die man im Kopfkino abfeiert oder eben nicht.

Man begreift den Song aber auch nicht wertend.
Louisan:
Das ist gut. Aber siehst du, so vorsichtig ist man schon geworden. Ich strenge mich sehr an, immer das zu sagen, was ich denke, denn ich hab gemerkt, dass ich innerhalb meiner Musik und meiner Texte keine Kompromisse eingehen darf. Man darf nicht anfangen, sich zu fragen: "Geht das oder geht das nicht?" oder: "Ist das radiotauglich?" Vielleicht sind Kompromisse im Leben und innerhalb einer Beziehung wichtig, aber nicht in der Musik!

Deine Texte entstehen nach wie vor in Zusammenarbeit mit Frank Ramond. Du lieferst die Ideen, er den Rahmen. Wie muss man sich das genau vorstellen?
Louisan:
Wie bei jeder Art von Teamarbeit hat jeder der Beteiligten verschiedene Stärken. Bei uns ist es so, dass ich die Person und die Welt liefere, in der ich mich bewege und Frank liefert das Handwerk des Songschreibens. Außerdem ist er ein Mann, ich bin eine Frau. Wenn ich eine Geschichte anfange, denkt er sie zu Ende oder bringt noch einen anderen Blickwinkel hinein. Das ist sehr, sehr produktiv bei uns und meine Performance und sein Wissen ergänzen sich wunderbar. Manchmal erzähle ich ihm ganz groß eine Geschichte, die er dann auf drei Minuten zusammenschrumpft. Oder es gibt ein Wortspiel wie "Rosenkrieg", aus dem sich dann erst ein Text entwickelt.
An sich ist Texten aber eine ganz analytische Angelegenheit. Die Idee am Anfang ist natürlich das Wichtigste, sie gibt den Sinn, den Rahmen. Aber dann geht es ans Handwerk, nimmt man Kunstgriffe und braucht man das Wissen, wie man zum Beispiel die Pointe an die richtige Stelle setzt. Irgendwann kommt schließlich noch die Melodie dazu, an der gefeilt wird und da sitzen wir manchmal auch zu viert im Studio, zusammen mit Hardy Kayser und Matthias Haß, und tüfteln rum. Das ist tatsächlich ein richtiger Arbeitsprozess.

Du warst mit dem Song "Das Spiel" in den Top 10 – was glaubst du, braucht ein Song, um in die Charts zu kommen?
Louisan:
Ich bin ja eigentlich eine Album-Künstlerin und hab eher aus Versehen diesen Hit gehabt, der mir aber natürlich sehr geholfen hat, auch für alles Weitere. Bei "Das Spiel" war es auf jeden Fall so, dass der Song einfach neu geklungen hat. Die Stimme war speziell und hat ziemlich weit vorne gestanden – die Musik hat sie ja nur ganz fein eingerahmt – und es gab diesen Aha-Effekt. Wichtig für einen Hit ist auch, dass die Leute am Text und an der Geschichte dranbleiben und den Song bis zu Ende hören. Ich glaube aber, es gibt verschiedene Arten von Hits. Bei Popmusik steht ganz klar die Melodie im Vordergrund, bei meiner Musik auch, aber da ist es nicht so offensichtlich, weil sie sehr textlastig ist und das eher unbewusst mit dazugeliefert wird. Generell denke ich, es ist wichtig, viele Leute zu berühren. Ein gutes Zeichen hierfür ist immer, wenn es extreme Reaktionen gibt. Liebe, aber auch Hass und komplette Abneigung. Wenn ein Song polarisiert, sieht man schon, dass irgendwas mit ihm los ist.

Frank Ramond schreibt nicht nur für dich die Texte, sondern auch für Roger Cicero. Fühlst du dich manchmal als dessen weiblicher Gegenpol?
Louisan:
Nein, eigentlich nicht. Frank hat natürlich in der Art des Textens seine Handschrift, sein Markenzeichen, aber ich glaube, das ist bei jedem Produzenten so, dass er gewisse Kniffe, die erfolgreich waren, erneut anwendet. Aber sonst sind das bei Roger und mir zwei völlig verschiedene Welten. Wobei ich persönlich aber auch auf seinen Sound stehe.

In einem Lied singt Roger Cicero über Frauen: "Wie sie geh'n und steh'n, Wie sie dich anseh'n. Und schon öffnen sich Tasche und Herz, Und dann kaufst du 'n Ring und 'n Nerz". Die EMMA hat ihn wegen dieser Zeilen mal zum "Pascha des Monats" erklärt. Was sagst du dazu?
Louisan:
Oh. Da enthalte ich meine Stimme. Aber ich kann natürlich verstehen, dass das Thema für die EMMA interessant ist und dass man das so auslegen kann. Aber sonst kann ich da wirklich nichts dazu sagen. Nur soviel, dass ich Roger und seine Band mag, die kommen ja auch alle aus Hamburg und dass ich mich über ihren Erfolg freue.

Wie verstehst du denn seinen Songtitel "Frauen regier'n die Welt" - ist das für dich pure Ironie oder steckt da auch ein bisschen Wahrheit drin?
Louisan:
Das ist für mich pure Ironie, pure. Ich glaube nicht, dass Frauen die Welt regieren. Noch nicht. Aber natürlich hat sich in den letzten 20, 30 Jahren irre viel getan. Das können sich Leute in meinem Alter wahrscheinlich gar nicht mehr vorstellen, denn wir genießen ja schon die Vorteile, die Leute wie Alice Schwarzer für uns erkämpft haben. Aber es ist noch lange nicht perfekt, weltweit. Es gibt immer noch sehr viele Unterschiede und es muss noch einiges getan werden, dass Frauen die Möglichkeit haben, Karriere und Kind unter einen Hut zu bekommen. Ich weiß nicht, was man da tun kann, ich hab auch keine Patentantworten oder -lösungen parat. Ich selbst bin ja in einer sehr privilegierten Situation, ich bin finanziell unabhängig und könnte meine Zeit auch entsprechend einteilen, aber viele können das nicht. Da kommt es stark auf den Partner an, aber eben auch auf die Einstellung der Gesellschaft. Das Wort Emanzipation hat heutzutage ja schon wieder einen negativen Touch, und ich finde es komisch, dass gerade Frauen es schwierig finden, dieses Wort in den Mund zu nehmen. Es ist etwas Wichtiges und hat etwas mit Gleichberechtigung zu tun. Ich bin aber der Meinung, dass Frauen einen anderen Weg gehen müssen als Männer. Schon allein weil wir Kinder kriegen können und die Möglichkeit haben, uns das auszusuchen. Aber ich bin keine Psychologin und auch keine Wissenschaftlerin, das sind alles nur Mutmaßungen.

Wünschst du dir mehr Frauen in der Politik?
Louisan:
Klar. Ich finde, die verschiedenen Blickwinkel sind immer wichtig. Die Gesellschaft besteht nun mal aus Männern und Frauen und deshalb denke ich, ist ein ausgeglichenes Verhältnis auch in der Politik ganz vorteilhaft. Und auch normal.

Ein Problem, über das heute viel diskutiert wird, sind die vielen Kinder, die ohne Vater aufwachsen, in den alten Bundesländern ist es wohl jedes dritte. Auch du bist ohne Vater aufgewachsen. Hat das für dich eine große Rolle gespielt?
Louisan:
Emotional nicht, da hab ich das nie vermisst. Allerdings muss ich natürlich zugeben, dass das ganz klar Auswirkungen hat, wenn ein Kind ohne männliche Bezugsperson aufwächst. In den Jahren zwischen null und sechs bis zehn passiert so viel! Man orientiert sich so stark an den beiden Elternteilen und wenn da ein Part fehlt, dann hat das Auswirkungen. Und die hat es natürlich auch auf mich gehabt. Aber als Erwachsener hat man ja die Möglichkeit, das zu durchschauen und sich klarzumachen, warum man jetzt so ist oder so. Für mich war es nicht schlimm, ich hab genug Liebe bekommen, aber ganz sicher bin ich auch so geworden, wie ich bin, weil ich eben keinen Vater hatte.

Wie sieht deine Mutter denn deinen Erfolg? Sie führt ja wahrscheinlich ein ganz anderes Leben.
Louisan:
Meine Mutter ist Krankenschwester und eine tolle Frau. Sie hat mich immer unterstützt und ohne sie hätte ich das nie so durchziehen können. Wenn man als Musiker nicht sehr erfolgreich ist, gehört man immer noch zu einer Randgruppe und solange das so ist, ist es unglaublich schwierig. Einen Monat hat man was und dann hat man mal wieder nichts und geht Risiken ein. Ich bin sehr glücklich darüber, dass meine Mutter mich in dieser künstlerischen Hinsicht immer unterstützt hat und mir keine Steine in den Weg gelegt hat. Heute ist sie natürlich sehr stolz, wie Mütter das sind und sie kann auch unterscheiden zwischen Annett Louisan und ihrem Kind.

Gibt es da Unterschiede?
Louisan:
Natürlich. Ich hab ja als Musikerin die Möglichkeit, mich zu entwerfen und mich in eine Phantasiewelt hineinzudenken. Aber das ist in Deutschland immer ein bisschen schwierig, weil ganz stark nach Authentizität gesucht wird und es einem auch vorgeworfen wird, wenn sie fehlt. Ich glaube trotzdem, dass ich die Möglichkeit habe, alles zu sein und alles zu tun, was ich möchte, solange ich das ehrlich mache und es die Leute in irgendeiner Form berührt. Und das tue ich ja auch, ich überspitze, übertreibe, greife Sachen auf, verändere sie. Das ist Musik!

Warst du schon immer so selbstbewusst, wie du in deinen Songs rüberkommst?
Louisan:
Nein, natürlich nicht. Als Teenager war ich unglaublich unsicher. Aber ich glaube, dass man immer erst dann selbstbewusst mit einem Thema umgehen kann, wenn man es selber durchgemacht hat. Und dass man am meisten aus seinen Fehlern lernt und sich erst dadurch weiterentwickelt. Das, was man denkt und tun möchte, ist ja nicht immer das, was man tut. Es gibt Situationen, da weiß ich genau, was richtig ist und tu dann genau das Gegenteil. Ich bin durchsetzt von Ängsten und brauche unglaublich viel Bestätigung. Aber ich glaube, das gehört zu dem Los, das man als Musiker gezogen hat. Dieses ständige Suchen und Über-seinen-eigenen-Schatten-Springen, auch was das Lampenfieber angeht, das ich am Anfang unglaublich stark hatte. Ich bin rausgegangen und die Leute haben übers Mikrofon mein Herz klopfen hören. Da war so viel Emotion da, aber genau daraus habe ich gelernt, was die Leute wollen – nämlich was Persönliches. Darum versuche ich heute, eine ausgefeilte Show zu bieten und trotzdem noch persönlich zu sein. Denn dann ist das Publikum auch persönlich, dann tragen sie einen auf Händen und dann nehmen sie einem auch nichts übel, egal was passiert.

Sind eher Frauen oder Männer deine Fans?
Louisan:
Ganz gemischt. Mein Publikum ist etwas, das müsste man sich noch mal betrachten, denn das hab ich selbst noch nicht richtig verstanden. Es zieht sich durch alle Altersgruppen, da sitzt die 60-Jährige mit ihrer Enkelin neben einem schwulen Pärchen und daneben der Arzt mit seiner Gattin und die Bäckersfrau. Zu meinen Konzerten kommt jeder, der das Album ansprechend findet, vom Studenten bis hin zum Rentner. Ich kann das gar nicht glauben, dass das so gemischt ist. Es ist kein Kreispublikum. Da sitzt vielleicht schon mal eine Gruppe von kleinen Mädchen, die Schilder in der Hand haben, aber daneben sitzen eben Klaus und Martina, die das ganz süß finden, was da grad neben ihnen passiert. Zielgruppenforschung kann man bei mir jedenfalls eher nicht betreiben.

Glaubst du, es spielt für Plattenverkäufe eine Rolle, ob die Fans wissen, dass der Star privat 'schon vergeben ist? Du hast ja deine Hochzeit damals auch drei Monate lang verheimlicht.
Louisan:
Ich hatte am Anfang einfach beschlossen, gar nichts Privates von mir preiszugeben. Ich hab auf einmal so viele wildfremde Menschen getroffen, die mich ausgefragt haben – da hab ich mich erstmal sehr zurückgehalten. Zumal es damals so war, dass Gazi und ich eine Fernbeziehung geführt und nicht mal in einem Land gelebt haben. Wir haben uns so selten gesehen, dass ich dachte, das geht niemanden was an. Aber dann hab ich das doch nicht so durchgezogen, man überprüft sich ja auch selbst. Und irgendwann gab's halt die Information über unsere Hochzeit und ich glaube, das war in Ordnung so.
Ein paar Geheimnisse sollte ein Mensch noch haben. Meine Musik ist so intensiv und intim – vermeintlich – dass die Leute sowieso das Gefühl haben mich zu kennen. Sie interpretieren unglaublich viele Dinge in mich hinein, dass ich mich persönlich wirklich zurückhalte. Gerade als "Das Spiel" so populär war und es, natürlich auch durch das Video und den Text, ganz viele Assoziationen gab, hatte ich eher das Gefühl, ich müsste mir einen Rollkragenpullover anziehen und das alles nur für sich sprechen lassen. Ich wollte nicht auch noch in die Kerbe reinhauen.

Brigitte-Chef Andreas Lebert hat in seinem Buch "Anleitung zum Männlichsein" eine Identitätskrise der Männer beschrieben. Der Mann sei heute "demütig, weichgespült, resignativ", ein „konturloses Wesen" usw. Würdest du auch sagen, dass es heute eine Männerkrise gibt?
Louisan:
Ich muss sagen, dieses Thema finde ich sehr merkwürdig. Wenn es jetzt schon so weit ist, dass der Mann komplett überfordert ist von so vielen starken Frauen! Ich habe in den Buchhandlungen gesehen, dass es diese Identitätskrise geben soll, aber da kann ich nur drüber schmunzeln. Es ist gesellschaftlich noch nicht bei mir angekommen, dass Männer jetzt unterdrückt werden. Ich kenne keinen Mann, der mir gesagt hat: "Gott, ich komm hier nicht klar. Die Frauen graben mir das Wasser ab und ich werde unterdrückt in meiner Beziehung." Das hab ich noch nie gehört, aber ich frag beim nächsten Mal nach.
Ich persönlich glaube, Frauen müssen damit zurechtkommen, dass Männer stark sind und ihren Weg gehen und umgekehrt genauso. Und ich glaube auch, die Rollen sollten sich in einer Beziehung mal vertauschen können. Es gibt doch Phasen, wo der eine stärker ist als der andere. Das wäre ja gelogen, wenn man das nicht so sagt. Aber es gibt anscheinend weniger Probleme, wenn Frauen devot sind. Obwohl ich denke, dass sich viele Männer von starken Frauen angezogen fühlen. Vielleicht können sie das noch nicht richtig zugeben, weil sie meinen, sie verlieren dadurch ihr Gesicht. Aber das ist Quatsch und wahrscheinlich noch so ein gesellschaftliches Klischee. Es geht eben um Gleichberechtigung. Wenn ein Partner einem auf Augenhöhe begegnet, darf er auch kein Problem damit haben, wenn man sagt, was man möchte.

Sind Männer verunsichert, wenn sie dir begegnen?
Louisan:
Gar nicht, aber ich hab natürlich den Vorteil, dass ich ganz anders aussehe. Meine Optik, meine Größe, die blonden Haare, die großen Augen – all das suggeriert ja erstmal was anderes. Ich hab die Sachen immer sehr bewusst von hinten aufgezäumt und konnte aus dieser Position heraus sehr gut beobachten. Gib den Leuten Macht in die Hand und sie verraten viel über ihren Charakter. Davon hab ich immer sehr profitiert, aber das ist natürlich auch sehr gefährlich. Denn diese Macht haben sie natürlich nur imaginär.

Was machst du, wenn du dich wirklich mal schwach fühlst? Was gibt dir neue Kraft?
Louisan:
Ich schätze mittlerweile Einsamkeit sehr, das komplette Nur-für-mich-Sein, obwohl ich das immer schon gebraucht hab. Nur ist es jetzt ein kompletter Luxus geworden, weil ständig Menschen um mich rum sind und ich wenig Zeit für mich hab. Dann sind natürlich die Menschen wichtig, die ich liebe, denn die holen mich aus Krisen und Unsicherheiten wieder raus, und das Verhältnis zum eigenen Körper. Wenn ich die Power hab, versuche ich, gesund zu leben, ein bisschen auf die Ernährung zu achten und mich zu verwöhnen. Was für sich zu tun, macht so glücklich! Und wenn's nach dem Bad nur mal eine halbe Stunde ist, wo man sich ganz intensiv eincremt. Abschalten können ist auch wichtig, diese Annett Louisan mal komplett auszusperren und nicht mehr dran zu denken, auch wenn sie so zu mir gehört und ich das auch manchmal vermische. Mal Zeit für ein Buch zu haben, wo ich komplett drin verschwinde. Wie gesagt, ich bin ungeduldiger geworden und diese Ungeduld und Schnelligkeit stresst mich auch manchmal, da muss ich einen Weg finden, die mal auszusperren.

Spielt da auch Musik eine Rolle? Irgendwie kann man sich bei dir nur schwer was Lautes und Rockiges vorstellen.
Louisan:
Das gibt's bei mir auch weniger, wenn ich mir meinen CD-Schrank anschaue. Aber so dreimal im Jahr Rammstein, das kann ich schon gut haben. Aber ich muss mich wirklich sehr disziplinieren, dass ich mal bewusst eine Platte auflege und die von vorne bis hinten durchhöre. Bewusst Musik hören ist ein großer Spaß und auch entspannend. Aber das fällt immer schwerer, da wir ständig berieselt werden und Musik auch immer beliebiger wird. Es gibt so viel und die Kids ziehen sich heutzutage in fünf Minuten 30000 Songs von einem Rechner auf den nächsten – wahllos. Sie hören dann zwar trotzdem nur die zwei, drei Scheiben, die sie geil finden. Aber es ist eben cool, auch die ganzen anderen Songs auf dem iPod zu haben.

Vor deiner Musik-Karriere hast du Kunst studiert. Malst du denn noch?
Louisan:
Eigentlich nicht mehr wirklich ernsthaft und intensiv. Hier kommt wieder der Punkt mit der Geduld ins Spiel. Außerdem ist momentan nicht so die Phase, wo ich mich visuell äußern kann. Und den kreativen Part befriedigt ja schon die Arbeit an meiner Musik

Unsere Schlussfrage: Das Leben ist ein Comic – welche Figur bist du?
Louisan:
Betty Boop, die Frau mit dem Quadratschädel. Die hat so riesige Augen und ganz kurze schwarze Haare und ist ganz süß. Sie hat immer so spitze Schuhe an und läuft so seitlich. Die wäre ich.

Das Interview entstand im August 2007.
Interview: Bianca Lohr, VÖ 20.02.2008
Quelle: planet-interview.de

Nach oben

21.09.2007 Interview mit der Super-Illu

Von der Lolita zur Miss Chanson

Das erste Album »Bohéme« brachte ihr 2004 nicht nur die Auszeichnung der »Goldenen Schallplatte« ein, sondern auch das Image der lasziven Lolita. Doch Annett Louisan ist längst nicht mehr der kindliche Vamp. Die blonde Powerfrau aus Havelberg in Sachsen-Anhalt hat inzwischen geheiratet und bringt ihr drittes Album »Das optimale Leben« heraus. Die heiter-melancholischen Songs beweisen: Aus der Lolita ist eine »Miss Chanson« geworden.

Frau Louisan, Ihr neues Album klingt reifer, nicht mehr so lasziv-verspielt wie das Erste. Ihre persönliche Entwicklung weg vom Image der Lolita?
Ich stehe zu allem, was ich gemacht habe, auch zu meinem ersten Album »Bohéme«. Ich war mit fünfundzwanzig einfach naiver als heute und mir meiner Wirkung nicht bewusst. Das habe ich inzwischen aber gelernt, mich natürlich verändert. Ich will mich auch nicht wiederholen.

Wird man von Album zu Album entspannter?
Ich bin auf alle Fälle lässiger geworden, aber eine gewisse Spannung ist natürlich immer da. Ich hoffe, dass das beim zehnten Album auch noch so sein wird.

Wie kam der Titel »Das optimale Leben« zustande?
Ich habe vor einem halben Jahr zum ersten Mal seit langem Pause gemacht und mir die Frage gestellt, was eigentlich Glück ist. Da grübelt man automatisch auch über das optimale Leben.

Was ist für Sie selbst das optimale Leben?
Es muss nicht alles optimal sein. Ich mag zum Beispiel den Zustand kurz vor einem Ziel. Man ist voller Vorfreude und Spannung, ein wenig unzufrieden und damit auch motiviert, sich weiter anzustrengen.

Welche musikalischen Vorbilder haben Sie?
Ich höre so viel Musik, die mich beeinflußt, da ist das schwierig zu trennen. Ich mag z.B. Chansons von Hildegard Knef, aber auch Popmusik. Zum Glück kann ich da frei entscheiden.

Wie entstehen Ihre Texte?
Am Anfang steht immer mein Bedürfnis, über etwas bestimmtes und erlebtes zu singen. Es ist also durchaus autobiographisch, was dann entsteht, aber ich stelle es oft ein wenig plakativer dar. Mir helfen natürlich auch meine Mitstreiter Frank Ramond, Hardy Kayser und Matthias Haas. Wir sind seelenverwandt und ich vertraue ihnen.

Der Song »Das alles wär nie passiert« spielt auf unkontrollierten Alkoholgenuß und seine Folgen an. Selbst schon erlebt? Wie ist Ihre Einstellung zu Alkohol?
Die erste Strophe ist autobiographisch, der Rest nicht. Kontrollverlust ist nicht so mein Ding, vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Natürlich sehnt man sich ab und zu danach und ich habe meine Erfahrungen mit Alkohol gemacht. Ich trinke auch gerne mal mit meinen Freundinnen ein Glas Prosecco. Aber ich bin keine Trinkerin, das lässt sich mit meiner Arbeit gar nicht vereinen.

Ihre Texte sind sehr stimmungsambivalent, mal unbekümmert, dann wieder kriegerisch. Entspricht das Ihren Stimmungen?
Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt - das ist doch das Leben! Ich möchte es auch so darstellen: mal beschwingt, mal melancholisch.

Ist es für Sie vorstellbar, auch mal in einer anderen Sprache oder über Politik zu singen?
Französisch ist eine Herausforderung für mich, denn ich spreche die Sprache nicht sehr gut, sie zu singen ist deshalb schwere Arbeit. Politik? Ich bin ein politischer Mensch, aber ich möchte nicht den Zeigefinger erheben, also lasse ich das lieber ganz.

Wie sieht für Sie eine moderne Frau aus?
Eine moderne Frau kann frei entscheiden, was sie tun möchte. In welcher Form, das bleibt ihr überlassen, ob nun als Mutter oder Karrierefrau.

Und Sie, inwieweit können Sie frei entscheiden?
Sie spielen sicher auf meine Ehe an, aber ich mag dieses Klischee der eingezwängten Ehefrau nicht. Ich führe eine wunderbare, freie Ehe, die mich glücklich macht. Mein Mann gönnt mir meinen Erfolg, da bin ich ihm auch unendlich dankbar dafür. Irgendwann wollen wir Kinder, aber jetzt erst mal nicht. Ich bin da sicher auch priviligierter als manch andere Frau, denn ich kann es mir leisten, für ein Kind eine Auszeit zu nehmen, egal wann.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Keine Ahnung. Ich nehme das Leben so, wie es kommt, plane nicht vorraus. Natürlich hoffe ich, dass ich später noch Musik machen kann, das hängt aber von meinem Publikum ab. Ich könnte mir auch was anderes als Musik vorstellen, habe schließlich Design studiert. Mal schaun.

Jetzt leben Sie in Hamburg, Ihre Kindheit haben Sie aber in Havelberg verbracht. An was können Sie sich noch erinnern?
Ich hatte eine wunderschöne und liebevolle Kindheit auf dem Land, an die ich mich sehr gerne erinnere. Ich bin ja als Einzelkind einer alleinerziehenden, berufstätigen Mutter aufgewachsen, habe viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht.

Wie oft sind Sie jetzt noch in der Heimat?
Da meine Großeltern und Freunde nicht mehr in Havelberg wohnen, bin ich auch kaum noch da. Aber letztendlich trägt man seine Heimat im Herzen. Ich denke auch, dass mich die Kindheit im Osten geprägt hat. Wir konnten aus kleinen Dingen große machen, mussten viel fantasieren und improvisieren. Das kommt meiner Kreativität noch heute zugute.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?
Ich wünsche mir Gesundheit und wenig Eitelkeit. Das heißt, ich möchte immer entspannt , zufrieden und ausgeglichen sein. Fit natürlich auch.

Was tun Sie momentan dafür?
Ich gehe joggen, mache Pilates und springe daheim auf meinem Trampolin. Das ist herrlich befreiend.

Sie haben für Ihr neues Album ein Lied mit James Last aufgenommen. Das ist auch Titelsong des neuen Kinofilms von Leander Haußmann, der Verfilmung des Bestsellers »Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken«. Wie kam es dazu?
Leander hat mich angesprochen und gemeint, er hätte beim Lesen des Buches an mich gedacht. Mir ging es genauso, also habe ich zugesagt. Der Film ist einfach lustig, wird von tollen Schauspielern besetzt. Da bin ich stolz darauf, den Titelsong singen zu dürfen.

Sie werden außerdem am 19. September bei der »Goldenen Henne« Ihren aktuellen aktuellen Titel »Er« singen - was bedeutet Ihnen das?
Das bedeutet mir sehr viel, denn ich bin zum ersten Mal bei dieser wichtigen Preisverleihung dabei. Außerdem mag ich Helga Hahnemann sehr, habe ihren Humor immer bewundert. Dieser Abend wird bestimmt sehr schön.

Interview: Cäcilia Fischer www.super-illu.de

Nach oben

Interview mit dem Stern vom 31.08.2007

Bye bye Lolita-Dasein!

In einem für Deutschland eher schwierigem Genre hat sie sich durchgesetzt - und das auch noch mit großem Erfolg: Annett Louisan

"Ich will doch nur spielen" - so kokettierte Annett Louisan auf ihrem Debütalbum als Pop-Lolita. Drei Jahre und mehrere abgelehnte "Playboy"-Angebote später spricht die erfolgreiche Chanson-Sängerin mit stern.de über ihr neues Album "Das optimale Leben", ihre Kindheit in der DDR und das Ende des Lolita-Daseins.

Blond, zart und bezaubernd sitzt Annett Louisan im Hamburger "Café Catwalk" und zieht an ihrer Zigarette. Ihre Stimme klingt, als hätte der Rauch niemals zuvor den Weg in ihre Lunge gefunden. Weit gefehlt. Wenn Annett Louisan gestresst ist, raucht sie Kette. Im Moment ist wieder so eine Phase: Ihr drittes Album kommt heraus und bis zur großen Deutschlandtour sind es auch nur noch drei Monate. Doch Annett Louisan ist allem Anschein zum Trotz nicht aus Zucker.

Seit Ihrem ersten Album "Bohème" klebt das süß-verruchte Lolita-Image an Ihnen. Nervt Sie das?
Ich bin darüber hinweg. Anfangs habe ich eine defensive Haltung angenommen aber jetzt rechtfertige ich mich nicht mehr dafür, wie ich bin. Ich mache einfach mein Ding. Ich werde mich nicht verkleiden. Ich werde mich nicht verändern, auch optisch nicht. Die Leute müssen akzeptieren wie ich bin. Wie hat Jane Birkin damals schon gesagt: "Lolita go home!" Aber irgendwie wird die doch immer zu mir gehören. Trotzdem: Das ist längst nicht alles von mir.

Das "Making of" der neuen Single "Das alles wäre nie passiert" ist die erste Single aus dem dritten Album von Annett Louisan.

Haben Sie sich deswegen für "Das optimale Leben" zwei Jahre Zeit gelassen - um erstmal Ihren Erfolg und die Reaktionen zu verarbeiten?
Ja, "Bohème" und "Unausgesprochen" sind sehr schnell hintereinander veröffentlicht worden. Danach musste ich mich erst einmal etwas herunterfahren. Das war gar nicht so einfach. Ich bin in den letzten Jahren sehr ungeduldig und schnell gewesen, was mein Leben angeht. Kaum stand der Koffer in der Ecke, hab ich schon mit den Füßen gescharrt. Das typische Tour-Syndrom. Um runterzukommen habe ich versucht, mich auf ganz banale Dinge zu konzentrieren. meinen Körper und schlafen ohne zu träumen. Ich habe mir viele Gedanken gemacht in dieser Zeit. Und auf meinem Album habe ich genau diese verarbeitet. Die Frage nach dem Glück zum Beispiel. Wenn man wie ich so erfolgreich geworden ist und sich einen Traum erfüllt hat, dann fragt man sich schon: Kann dich eigentlich noch irgendetwas im Leben jemals noch einmal so glücklich machen? Was kommt danach? Muss man sich übertreffen, um das gleiche Gefühl der Zufriedenheit zu bekommen? Aus diesen Fragen ist "Das optimale Leben" entstanden.

Und haben Sie das Glück wieder gefunden?
Ja, und zwar genau jetzt. Ich mag diesen Zustand, kurz bevor man etwas erreicht hat, eigentlich am liebsten. Dann ist da diese Vorfreude und alles ist noch offen. Auch gewisse Selbstzweifel sind da, aus denen man als Musiker schöpft. Diese ständige Suche nach der Bestätigung, die einen kickt. Man ist noch nicht an einem Punkt, an dem man sich schon was Neues suchen muss, sondern man ist kurz davor.

Dann entspricht Ihr Album "Das optimale Leben" ja genau ihrem aktuellen Lebensgefühl.
Es ist ein glückliches Leben. Meine Idealvorstellung vom optimalen Leben lässt sich leider nicht wirklich umsetzen. Toll wäre es, einen Koffer zu haben, in den alle meine Sachen reinpassen und den ich auch noch selbst tragen kann. Einfach frei zu sein und die Möglichkeit zu haben, von hier nach da zu ziehen. Aber das ist natürlich - gerade wenn man sich anderen Menschen verbunden fühlt - nur eine Traumvorstellung.

Fühlen Sie sich etwa nicht wohl in Ihrer Wahlheimat Hamburg?
Oh doch. Und wie! Ich wohne direkt an der Elbe, mit Elbblick. Das ist für mich jeden Tag wieder ein Traum. Gerade weil ich so selten zu Hause bin. Hamburg ist Heimat. Für mich als bekannte Person ist es sehr angenehm hier zu wohnen. Hier sind alle sehr dezent. Ich liebe es, an der Alster ein Buch zu lesen, den Kiez, die Schanze... Hamburg ist eine wunderschöne Stadt. Mondän, aber schön.

In der Pressemitteilung heißt es, Sie seien eine kleine Revolution. Inwiefern revolutionieren Sie denn die Musik?
Ach, mit dem Wort Revolution kann ich eigentlich nicht viel anfangen. Ich bin auch keine Vorreiterin. Ich finde es gut, wenn man bei jedem Album wieder von Null anfängt. Vorstellungen, Druck und Vergleich sind der Tod. Das Schöne ist, dass ich in eine Nische reingerutscht bin, die ich mir selbst geschaffen hab. Das empfinde ich als großen Vorteil. Es ist sehr schwierig, so etwas zu kopieren. Die Ästhetik der Sprache, die Stimme und auch der gewisse Sound, den wir über die Jahre weiterentwickelt haben. Ich bewege mich in einem Genre zwischen Walzer-Blues und Bossa Nova. Keine Revolution. Einfach Annett Louisan.

Was ist denn anders oder neu an diesem Album?
Schwierige Frage. Es ist auf jeden Fall mein eckigstes Album. Sehr persönlich. Und es war harte Arbeit. Alles, was lässig, einfach und klein scheint, ist harte Arbeit. Easy listening, hard working. Annett Louisan war davor immer sehr spartanisch, ohne viel Pipapo. Da passiert jetzt natürlich schon viel mehr. Die Streicherarrangements, die Chöre... Die Musik tritt etwas weiter in den Vordergrund, ist präsenter.

Welchen Song mögen Sie selbst denn am liebsten?
"Was haben wir gesucht". Ich finde das ist ein ganz großer Wurf (lacht). Dieser Song berührt mich einfach. Der Text, die Melodie, die weinende Geige. Wenn ich das Stück anderen Leuten vorsinge, dann passiert da etwas mit ihnen. Das merke ich. Die bleiben dran. Der kommt sofort ganz nah an sie ran.

Wahrscheinlich weil Sie Ihnen aus der Seele sprechen
Ich hoffe es. Mein Texter Frank Ramond und ich sind immer auf der Jagd nach diesem "Kennst du das auch?". Dabei verarbeite ich auch meine eigenen Gefühle. Aber es gibt auch Kunstgriffe, die wir beim Texten anwenden. Frank und ich gehen da zum Teil sehr analytisch vor. Wir lesen schon mal eine Studie zum Thema Eifersucht. Ich glaube, dass "Das optimale Leben" vor drei Jahren noch nicht meine Welt gewesen wäre. Jetzt, so um die 30, ist genau die Zeit, in der ich mir Gedanken mache über Lebenswünsche, geplatzte Lebensträume. .

Freuen Sie sich denn auf die 30 oder packt Sie eher die Panik?
30 ist ein geiles Alter für eine Frau. Ich genieße die Zeit jetzt viel mehr als mit 20, weil man den Hebel in der Hand hat. Man wird ernst genommen, man nimmt sich selbst immer mehr ernst. Finanzielle Unabhängigkeit, die Persönlichkeit, die sich immer weiter entwickelt, dass man gewisse Dinge auch einfach mal akzeptiert. Es gibt aber auch Momente in denen ich mir denke, so eine gewisse Unbekümmertheit wäre auch nicht schlecht. Weniger Verantwortung. Einfach mal die Festplatte löschen. Gerade bei meinem Job möchte man gerne mal nur für einen Moment unter die Bettdecke kriechen.

Vor zwei Jahren haben Sie geheiratet. Wie halten Sie sich so erfolgreich aus den Klatschspalten raus?
Boulevard ist einfach nicht mein Ding. Ich denke, dass das Annett Louisan entzaubern würde. Und mich auch. Ich brauche als Person meinen Freiraum. Ich muss die Tür hin und wieder mal zumachen können. Ich werde ja sowieso schon so viel bewertet; meine Musik, mein Aussehen, mein Auftreten. Aber mein Privatleben nicht! Das würde dann doch zu sehr an die Substanz gehen, weil ich sehr verletzbar bin.

Aus dem Grund haben Sie wahrscheinlich auch den einschlägigen Männermagazinen wie "Playboy" und Co. Abfuhren erteilt...
Ja, es kamen Angebote. Aber ich habe alles abgelehnt. Gerade bei "Bohème" hatte ich eher das Gefühl, ich müsste mir einen Rollkragenpullover anziehen. Dieses ganze Lolita-Ding ist so skurril für mich gewesen. Ich kokettiere gerne. Aber wenn man das so um die Ohren kriegt, dann bekommt das einen komischen Beigeschmack.

Fühlten Sie sich denn geschmeichelt?
Das war so eine Mischung. Wenn das Angebot nicht gekommen wäre, wäre es wohl auch komisch gewesen. Trotzdem habe ich erstmal den dicken Pulli angezogen, um die Leute auf den Inhalt zu lenken. ich glaube, dass mir das ganz gut gelungen ist.

In "Kleine Zwischenfälle" geht es um die Weichen, die das Leben einem stellt. Machen Sie sich viele Gedanken darüber, wie Ihr Leben hätte anders verlaufen können?
Ja, ich verbringe sehr viel Zeit damit. Das hat mich schon immer interessiert. Letztendlich ist es ja so, dass man nichts überprüfen kann. Du lebst nur einmal. Selbst etwas Positives kann sich auf etwas anderes negativ auswirken. Das ist ja aber auch das Schöne am Leben. Eigentlich ist es eine Erleichterung, nicht zu wissen, was man im Leben richtig oder falsch gemacht hat. Ich bin zum Beispiel ohne Vater aufgewachsen. Das ist etwas, was mein Leben sehr beeinflusst hat. Ich kenne nur meine Mutter. Und es hätte natürlich auch alles ganz anders laufen können. Es ist ein Zufall. Das Leben an sich nicht. Das sollte man nicht in Frage stellen.

Kann es sein, dass die Männer in Ihren Texten oft ihr Fett weg bekommen, weil Sie ohne Vater groß geworden sind?
De facto ist es so, dass es einen Unterschied macht, eine männliche Bezugsperson zu haben, die dich aufzieht. Das kann man nicht wegdiskutieren. Aber es ist nichts Aufgesetztes in meinen Texten. Ich bin ja nun einmal so geworden, wie ich bin. Ich kenne viele Menschen, die ohne Vater aufgewachsen sind - auch Männer. Die sind dadurch irgendwie anders. Femininer. Und haben eine andere Gedankenwelt. Das macht viel aus. Aber man hat ja die Möglichkeit, das alles als erwachsener Mensch zu verarbeiten. Sich selbst zu checken. Auch wenn das manchmal etwas desillusionierend ist und man einiges gar nicht so genau von sich wissen will.

Mit was für einer Musik sind Sie aufgewachsen?
Ich bin mit Popmusik aufgewachsen. Damals im Osten hatte ich nicht die Möglichkeiten, in einen Plattenladen zu gehen und alles zu bekommen. Also hat mich in meiner Kindheit das Radio sehr geprägt. Ich bin mit Madonna, Prince und Stevie Wonder aufgewachsen. Und auch mit deutschsprachigen Künstlern wie Herbert Grönemeyer.

Hat Sie die DDR in Ihrer Musik beeinflusst?
Ja, da bin ich mir ganz sicher! Meine Kindheit war sehr speziell. Die ist anders verlaufen, als wenn ich in Hamburg geboren wäre. Das ist wahrscheinlich dieser Freiheitsentzug, der mich geprägt hat. Durch die wenigen Möglichkeiten, die einem die DDR bot, hatte ich überhaupt die Chance zum Fantasieren. Ich habe gelernt, dass ich auch glücklich sein kann, wenn nichts oder wenn nur sehr wenig da ist. Ich konnte mir meine eigene Welt erschaffen. Ich war einfach ein typisches Mädchen, das auf dem Land groß geworden ist, schon immer von der Großstadt geträumt hat und sich Brigitte-Bardot- und Romy-Schneider-Filme gesehen hat. Die Träumereien, der Freiheitsdrang Das alles hat mich stark beeinflusst. Hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Und heute habe ich ein optimales Leben. .

Interview: Katharina Miklis
Quelle: Stern

Nach oben

29.08.2007 RBB Radio 1

Im Admiralspalast gab Annett am 29.08.2007 ein exclusives Radiokonzert und Interview mit Radio 1. Dabei war für euch natürlich das Team vom offiziellen Fanclub, auf Einladung vom RBB und Annett Louisan.

Annett hat nicht gewusst, dass sie sich für ihre Songtexte rechtfertigen muss. Ihr 1. Album ist eher frech und frivol, während sie sich beim 2. Album etwas zurückgenommen hat und das 3. Album wurde eher nachdenklich gestaltet.

"Hat sich die Zusammenarbeit mit Frank geändert?“, wurde sie gefragt?
Annett: “Die Zusammenarbeit ist intensiver geworden, man ist ja auch älter geworden. Wir sind gut befreundet und haben schon viel zusammen erlebt und davon profitiert die Produktion.“

Nicht alles worüber sie in ihren Songs erzählt, hat Annett selber erlebt. Einiges stammt aus Bargesprächen, eben eine Mischung aus Realität und Phantasie (was schon beim NDR in der Sendung DAS! erwähnt wurde).
In den Songs hat man nur 3 Minuten Zeit dem Hörer die Geschichte und die Bilder zu vermitteln, deshalb wirken die Lieder etwas überspitzt.

Annett: “Man lernt aus den verflossenen Liebschaften. Das gehört auch zum Leben. Wenn man das nicht kennt, hat man etwas im Leben verpasst. Dieses Erlebte verbindet die Menschen.“

Annett führt für sich ein „optimales“ Leben.

29.08.2007 rbb-Interview 29.08.2007 rbb-Interview 29.08.2007 rbb-Interview

Dieses Live-Interview dauerte ca. 12 Minuten, denn sie braucht ihre Vorbereitungszeit. Zwischendurch wurden 2 Lieder vom neuem Album eingespielt (Er und ...)

Das Live-Konzert von Radio 1 begann mit der Instruktion, wie es beginnen wird. Die Band betrat die Bühne – APPLAUS – und haben ihre Instrumente gestimmt. Das Publikum musste noch die RBB Nachrichten abwarten, bis sie endlich Annett begrüßen durften. Dann kam die Moderatorin, machte kurz die Ansage „Verkehr“ (das bezog sich natürlich darauf in welchem Teil der Nachrichtensendung man gerade ist) und die Menge lachte. Danach mussten wir noch kurz warten, bis die Ansage für das Radiokonzert gemacht wurde.

29.08.2007 rbb-Radiokonzert 29.08.2007 rbb-Radiokonzert 29.08.2007 rbb-Radiokonzert 29.08.2007 rbb-Radiokonzert 29.08.2007 rbb-Radiokonzert

Annett betrat die Bühne unter einem lauten Applaus und begrüßte alle ganz herzlich.

Sie startete auch prompt mit dem Song „Die Dinge“ vom ersten Album. Bei der Zeile „aber er ist gut im Bett“ zeigte sie auf Olaf Casimir. In einer Gesangspause stellte sie zuerst Mirko Michalzki, an der Gitarre, vor.
Annett freut sich heute Abend hier zu sein. Sie erinnerte sich an ihr erstes Radiokonzert im vorletztem Jahr, wie der Zufall es wollte, war es auch auf Radio 1 und ist heute genauso aufgeregt wie beim ersten Mal.
Als zweites präsentierte Annett den Titel „Die Wahrheit“, während einer weiteren Gesangspause stellte sie den Keyboarder, Friedrich Paravichini, vor.


Als vierten Song präsentierte Annett „Ich ...be Dich“. Bei „... bück dich“ huschte jedesmal ein Lächeln über ihr Gesicht, zwischendurch holte sie tief Luft.

„Jetzt kommt die Antwort auf Eve, wobei ich es lieber Eva Hermann widmen möchte“ sagte Annett und stimmte das Lied „Die sein“ an und erzeugte bei der Menge einen leichten Lacher. Wollte sich dabei das Lächeln verkneifen, dass ihr leider nicht gelungen ist.

Jetzt stellte sie ihre Band vollständig vor, wobei nur drei anwesend waren:
Friedrich Poravichini, Olaf Casimir, Mirko Michalzki

„Ich mach´s mir mal gemütlich“ meinte Annett und sang das Lied „Mein innerer Schweinehund“ und steckte sich eine Zigarette auf der Bühne an nicht ohne sich den Kommentar zu verkneifen: „Eine Woche darf ich das ja noch“. Bei diesem Lied lachte die Menge fast durchgängig.

Als siebtes präsentierte Annett uns „Dings“ von der letzten Tour. Bei diesem Song hat sie ein Zuhörer mit „Dings“ weiter zum Ende des Liedes wurde das ganze Publikum beim „Dings“ mit eingebunden. Als letztes hat sich das Publikum auf „Dingsbums“ erweitert. Dazu meinte Annett nur „Perfekt“.

Annett hat in vielen Kämpfen gefochten. Doch den Kampf zum Alltag hat sie verloren. Damit stimmte sie den Song „Wenn man sich nicht mehr liebt“ ein und wieder wurden die Gesichter des Publikums ernst. Kurz bevor der Song „Das alles wäre nicht passiert“ angestimmt wurde, war Olaf Casimir voll konzentriert, konzentrierter als er es eh schon immer ist. Während sie den Song präsentierte, schaute sie Andy tief in die Augen. Auch hier hat sie wieder das Publikum mit in den Song integriert, als sie merkte dass so ziemlich allles 1 zu 1 mitgesungen wurde. Die Menge bekam den Abschnitt „... ohne Prosecco“ und „das alles wäre nie passiert“. Die Band hat auch im Background im Kanonstyle mitgesungen (Anmerkung: das hat sich wunderbar angehört).

Nach den Zugaberufen betraten natürlich Annett und Band wieder die Bühne und brachten Annett's Freundin „EVE“ und haben wieder die Menge bei „Naive“ mit einbezogen. Anschließend fragte Annett:
„Wollt ihr noch eine hören?“
Da heute Annett's Abend der Erinnerungen ist , stimmte sie dann „Chancenlos“ an, schaute dabei die jüngste Konzertbesucherin (5 Jahre) an und ließ dann die Passage: „...auf die Butterseite fällt, damals hat sie dich gewollt, mehr als alles auf der Welt, chancenlos“ singen und das Publikum stimmte dann gemeinsam eine weitere ein.

Zum Abschied winkte sie dann noch der Jüngsten.

Annett kam natürlich nochmal auf die Bühne, so wie wir es schon kennen und das Publikum vernahm daraufhin „Fettnäpfchenwetthüpfen“. Dann verschwanden alle und Annett bedankte sich unter großen Applaus. Als sie dann doch nochmal auf die Bühne kam, ohne Radioschaltung , präsentierte sie wobei sie die Proseccoflasche suchte: „Das alles wär nie passiert“.

Diesmal stimmte das Publikum mit entsprechenden Klatschen ein.
Zu guter Letzt sagte dann Annett zum endgültigen Abschied „Auf Tour mit meiner ganzen Band“

Resümee zum heutigen Abend:
Auf der Bühne hat Annett sichtlich Spaß und ist eins mit Ihrer Musik. Wenn man sie live erlebt, fühlt man dass sie ihre Musik lebt.

Nachdem alle in der Garderobe „fertig“ waren, kam Annett zu den paar Wartenden (der Rest der gegangen war hatte damit nicht mehr gerechnet) raus und gab noch Autogramme. Als auch das erledigt war, setzte sie sich auf die im Flur stehende Bank und plauderte, wie immer mit Zeitdruck im Nacken, mit uns.

Martina hat mitgeschrieben, bis Annett meinte es wäre wohl sinnvoll einen Termin mit mehr Zeit zu vereinbaren, sie ist ja demnächst öfter in der Stadt (Berlin).
Was wir natürlich wie immer warnehmen werden, um euch dann das zu präsentieren was ihr noch alles wissen wollt.

Nach oben

Annett Louisan bei NDR 90,3

Bei NDR 90,3 wurden die Lieder "Das alles wäre nie passiert" und "Was haben wir gesucht" live von Annett gesungen.
Annett wurde als Grand-Dame des Chansamble betitelt, aber sie ist nicht dieser Meinung, sondern denkt, dass es zu früh für solch einen Titel wäre.
Kurz wurden noch ihre gewonnenen Awards angesprochen, die Annett natürlich schmeicheln und versucht sich dadurch nicht nervös machen zu lassen.
Desweiteren wurden ihre aus dem Leben gegriffenen, frechen Texte angesprochen und das man diese Texte falsch interpretieren kann. Dazu meinte Annett nur, dass man die Songs nicht überbewerten sollte.
So fühlt sie sich im Chanson wohl und liebt die Stadt Hamburg, das inzwischen zu ihrer Heimat geworden ist, sowie genau diese Stadt sie musikalisch beeinflusst hat. Dann sprachen sie noch kurz über die Tour und das Annett es liebt in kleineren Clubs zu spielen, da sich das Publikum freier fühlen kann.

© M. Enke/K. Eckhardt

Auf ndr 90,3 kann man folgendes lesen und sehen.

Annett Louisan präsentiert ihr neues Album
Moderator Ingo Römling hatte charmanten Besuch: Die Sängerin Annett Louisan schaute im Studio vorbei und präsentierte ihr Album "Das optimale Leben", das am Freitag erscheint. Die Wahl-Hamburgerin gab Kostproben aus ihrem neuen Werk und plauderte über ihr Leben und ihre Karriere. Kritiker sind von Annett Louisan begeistert. "Grande Dame des Chanson" nennen sie manche. Ihr selbst schmeicheln derlei Komplimente zwar, aber so ganz wohl fühlt sie sich damit nicht: "Das ist ein merkwürdiger Begriff für jemanden, der noch so jung ist," sagt sie. Die wirklichen Diven hätten schließlich viel mehr Bühnenerfahrung als sie.

Liebling der Musikbranche
Die 1979 Geborene absolvierte ihre Ausbildung in Hamburg. Die Musikbranche wurde schnell auf sie aufmerksam, diverse Preise wie die "Goldene Stimmgabel" bekam sie, Platin-Alben wurden ihr verliehen. Der Erfolg gefällt ihr, doch "das sitzt einem auch im Nacken". Sie versuche, nach vorne zu schauen und sich nicht nervös machen zu lassen.

Das neue Album
Der Albumtitel "Das optimale Leben" rührt daher, dass Annett Louisan sich nach dem ganzen Trubel und Erfolgen ihrer ersten Alben und Tourneen erst mal überlegen musste, wie es weitergehen sollte. "Ich habe mich gefragt: Annett, was musst du jetzt machen, um dich noch einmal genauso glücklich zu machen?" Suche nach Erfüllung, Erwachsenwerden, aber auch erste kleine Desillusionierungen – all diese Themen sind in das neue Album mit eingeflossen.
Am Chanson schätzt sie, dass sie sich musikalisch überall bedienen kann: Elemente von Walzer, Blues, Bossa Nova, afrikanischen Klängen und Rock 'n' Roll finden sich in ihren Liedern. Dass "der Chanson textlastig ist und ganz nah an den Menschen dran ist" mache ihn so interessant.
Wer Annett Louisan live erleben möchte, hat bald Gelegenheit dazu: Am 18. Dezember spielt sie im CCH, einen Tag später in der Großen Freiheit.

Stand: 28.08.2007 16:25
Annett Louisan: Diva oder nicht? Die Wahl-Hamburgerin über enthusiatische Kritiker. Länge: 2:00 Minuten

Quelle: NDR 90,3
© Fotograf: Nela König
© NDR Fotograf: Manfred Skibb

Annett Louisan bei NDR 90,3 Annett Louisan bei NDR 90,3

Nach oben

27.08.2007 Interview im NDR2

Das Leben ist halt auch nicht immer leicht

Interview Annett Louisan: "Habe die Möglichkeit, Fantasie mit Realität zu mischen"

Nach ihrem Debüt "Bohème" (2004) und dem Nachfolger "Unausgesprochen" (2005) bringt Annett Louisan am 31. August 2007 ihr drittes Album heraus: "Das optimale Leben". Wie auch die Vorgänger entstand es in Zusammenarbeit mit Erfolgsproduzent Frank Ramond, der in der Zwischenzeit auch die Karrieren von Ina Müller und Roger Cicero begleitet hat. Die 1,52 Meter große Sängerin ist und bleibt ein Original. Wie ihr das gelingt, was sich musikalisch verändert hat und worüber sie sich besonders freut, verriet sie im NDR 2 Interview. Hier das vollständige Gespräch:

Warum strahlst Du denn so?
Mein Mann hat mir gerade auf die Mailbox gesprochen und gesagt, ich wäre bei Amazon auf Platz 1! Und der hat es ganz nüchtern gesagt: (verstellt die Stimme) "Ich glaube, das würde dich interessieren." Und da hab' ich mich gerade tierisch drüber gefreut.

Dein aktuelles Album, um das es dabei ja geht, heißt "Das optimale Leben". Warum?
Ja! Weil ich glaube, dass eigentlich jeder auf der Suche nach dem optimalen Leben ist, aber der eine bildet sich ein, es zu finden, oder ist auch zufrieden, und ich wollte mich einfach mit diesem Thema befassen, und ich glaube, ich war in den letzten Monaten auch so sehr auf der Suche nach Glück und hab’ mich mit der Frage nach Glück beschäftigt. Und klar, nach so einem großen Erfolg wie nach den letzten beiden Alben, da fragt man sich auch: "Was muss denn jetzt eigentlich noch passieren, damit es dich jetzt noch mal so richtig kickt, um das alles noch mal zu übertreffen?" Ja, und das sind eigentlich so die Lebensfragen, die man sich um die 30 einfach stellt. Was macht einen glücklich? Wo will man hin? Und was bedeutet das alles? Das habe ich in meinem Album verarbeitet.

Die Songs sind - anders als auf den beiden Vorgängern - aufwändig instrumentiert. Wie kam es dazu, dass Begleitmusik und Chöre jetzt stärker in den Vordergrund gerückt wurden?
Ich glaube, am Anfang war es so, dass ich mich fast ein bisschen gegen das Wort "Pop" gewehrt habe. Ich wollte unbedingt beweisen, dass es neben all den produzierten Sachen auch noch was Kleines geben kann, etwas Handgemachtes. Und ich wollte natürlich auch die Aufmerksamkeit auf meine Texte lenken. Man muss sich ja erst mal vorstellen, und den Leuten klar machen: "Hey, wenn du das magst, was ich da singe, dann hör’ mal zu." Und gerade am Anfang haben wir die Stimme noch unverschämt weit nach vorne gestellt, und versucht, mit wenigen Mitteln einfach 'ne Lässigkeit zu produzieren. Und ich glaube jetzt haben wir schon ein bisschen Vorarbeit geleistet und einige Geschichten, die vielleicht nicht mehr so sehr dem Klischee entsprechen. Ja, die brauchen eben auch eine bestimmte Größe - obwohl für mich größer nicht gleich besser ist. Es war eben in dem Moment einfach schön, ganz extrem traurige, aber auch fröhliche Sachen auch dementsprechend umzusetzen und zu instrumentieren.

Dein Titel "Ich ...be dich" spricht sicherlich vielen aus der Seele, die mit einer Liebeserklärung einen unpassenden Zeitpunkt erwischt haben. Aber gibt’s dafür überhaupt einen richtigen?
Oh, na das ist ja sehr schwierig abzupassen, und ich glaube, da hat man so seine Erfahrungen gemacht, und mir ist das ja auch schon mal in 'ner bestimmten Sekunde rausgerutscht, und das war dann auch ein bisschen komisch, ist einem unangenehm. Ich weiß nicht, ich glaube, Liebe ist das Einzige, was man verschwenden kann, und was deshalb auch größer wird. Aber warum hat man eigentlich immer so Angst davor, es auszusprechen? Für mich sind eben die Worte "Ich liebe dich" das Höchste der Gefühle, und ich bin nicht der Mensch, der das so häufig benutzt, weil ich finde, das nutzt sich sehr schnell ab. "Schatz, ich liebe dich, ich geh' jetzt einkaufen", "Schatz, ich liebe dich, kannst du mir mal ein Brot schmieren", ... Das ist etwas, wovor ich Angst hab', darum versuche ich das immer, in ganz bestimmten Momenten eben richtig zu dosieren. "Das Leben ist halt auch nicht immer leicht"

Das Lied "Ende Dezember" handelt vom Tod und hat mich zutiefst gerührt. Musstest Du selbst beim Singen mit den Tränen kämpfen?
Muss ich oft, gerade auf der Bühne. Das passiert mir schon sehr häufig, dass ich einen Titel auch anders interpretieren muss, weil ich irgendwie selbst emotional gefangen bin. Das Thema Tod umgibt uns, es gehört zum Leben dazu. Und ich selbst hab' das letzte Mal, da war ich zwölf, meinen Großvater verloren, und Gott sei dank nie wieder einen lieben Menschen - bisher. Aber ich bekomme natürlich durch meinen Beruf, durch 'Annett Louisan', unglaublich viele Briefe von Fans, von meinem Publikum, die mir ihre Geschichten erzählen, die zum Teil wirklich tragisch sind. Und das Leben ist halt auch nicht immer leicht. Und ich versuche dann immer sehr genau, mir zu überlegen, was ich da antworte, und es geht manchmal gar nicht um meinen Ratschlag, sondern darum, dass jemand zuhört. Das hat mich bewegt, und darum hat mich das auch zu diesem Song inspiriert, einfach mal über den Tod zu singen.

Darin heißt es "Nimm dir Zeit, solange dir welche bleibt". Gibt es auch Zeit, die Du lieber sinnvoller genutzt hättest?
Unbedingt. Dieses Gefühl habe ich ständig! Dass es immer hätte noch besser gehen können, und dass man mehr hätte machen können. Man macht sich immer diese Vorwürfe, und das motiviert einen aber auch, das das nächste Mal besser zu machen. Ich glaube, aus seinen Fehlern lernt man immer am meisten. Muss man nicht, aber man kann es. Und das gibt einem auch die Chance. Und ich bin immer auf der Suche, das ist mein Charakter, das ist glaube ich das Los, das man als Musiker zieht, dass man ständig die Bestätigung braucht, und immer noch weiter laufen will.

Wie genau läuft die Zusammenarbeit mit Deinem Produzenten und Texter Frank Ramond ab?
Also, ich glaube, wir fangen am Anfang immer an, nach einem Grund zu suchen, und natürlich muss ich den irgendwie finden, für mein Album, und Frank war von Anfang an immer ein sehr guter Beobachter und eigentlich auch ein Visionär. Denn er hat - auch am Anfang, da war ich noch jünger - bestimmte Dinge an mir gesehen, die ich vielleicht ganz unbewusst gemacht habe. Und es hat mir gefallen, diese Art und Weise, wie er über mich schrieb und mich irgendwie gesehen hat - fast ein bisschen wie ein Porträtzeichner. Und heute bin ich natürlich schon mehr in der Lage, meine Gedanken und mich selbst auch anders zu reflektieren und zu sehen. Und das ist ein Handwerk, das ist ein Arbeitsprozess. Natürlich können wir heute ganz anders miteinander kommunizieren, weil wir uns viel besser kennen, wir sind befreundet miteinander. Und selbst wenn von Frank mal eine männliche Sichtweise kommt, dann bekommt das gerade durch den Umstand, dass ich als Frau singe, einen unglaublich ironischen Aspekt und fast schon eine komische Tragik. Und das passt eigentlich sehr gut. Das kann man nur, weil man auf einer Wellenlänge ist und wenn man sich da versteht und den gleichen Humor teilt. "Sofort so eine entwaffnende Fröhlichkeit"

Bei "Das alles wär nie passiert" klingt es teilweise so, als wäre Deutsch eine Fremdsprache für Dich. Ist das so gewollt? Soll das eine Anspielung auf den französischen Chanson sein?
Es ist so gewollt, aber es ist tatsächlich nicht ganz französisch, sondern eigentlich eher so’n bisschen brasilianisch-afrikanisch. Denn in der Musik intonieren die Leute auch anders. (singt) "NachtsinderBadeanstalt" - die singen die Töne immer ganz direkt an, sodass es sofort so eine entwaffnende Fröhlichkeit bekommt. Und so intoniert man auf Deutsch nicht. Und das wollte ich eben auch, weil die Musik so nach vorne geht, und es klatscht und trommelt und bläst, mal probieren. Und es ist manchmal, am Anfang vielleicht für den Hörer irritierend, aber ich bin weltmusikalisch unterwegs, und ich muss nicht immer nach den Dingen suchen, die vor meiner Haustür liegen. Ich glaube, ich habe die Möglichkeit, Fantasie mit Realität zu mischen, und das habe ich versucht, auch natürlich in meiner Musik darzustellen. Aber ist richtig, das ist das erste Mal, dass man das erkennt. Sehr gut!

Ich hab' ja auch genau hingehört... Und ich hab' auch mal in Dein Gästebuch geguckt und da schreibt jemand, dass Du ein Gefühl von Heimat vermittelst. Passt das zu einem weltmusikalischen Anspruch?
Das ist vielleicht schön, weil er seine Muttersprache wahrscheinlich in dem Land, wo er lebt, nicht so häufig spricht, und deshalb auch einen Bezug zu dieser Sprache hat, und das was Besonderes ist. Das ist ganz schön. Ich glaube, man sollte gar nicht so viel darüber nachdenken, ob man irgendwie authentisch ist oder nicht. Ich glaube, man sollte einfach frei von der Leber weg das machen, was einen selbst berührt. Und ich habe versucht, mich nie zu vergleichen oder so zu sein wie irgendwelche anderen Künstler. Ich glaube, gerade deshalb hat es funktioniert. Das ist immer eine Mischung zwischen Vermögen und Unvermögen, dass man einfach so’n Original schafft, und nicht irgendwie 'ne Kopie.

Vor Deinem Durchbruch 2004 hast Du als Sängerin auch schon andere Projekte begleitet. Du hast es geschafft - anders als viele, die vielleicht sogar länger Musik machen als Du. Hast Du da ein schlechtes Gewissen?
Ja, das ist schwierig - wirklich zu entscheiden oder sich klarzumachen, was Erfolg oder Popularität wirklich bedeutet. Auch das Glück, dass es bei dem einen klappt, bei dem anderen nicht. Ich weiß, dass es so viele unglaublich gute Musiker gibt. Wenn man wirklich wissen würde, was ein Hit ist oder was funktioniert und was nicht, ich glaube, dann würde es die Industrie auch ausnutzen. Aber es ist halt immer noch ein Stückchen Magie. Und man kann es nicht vorherbestimmen. Und ich versuche aber, den Leuten irgendwie Mut zu machen. Denn selbst wenn man Musik macht und keinen Erfolg hat: Musik ist einfach etwas Heilendes, etwas, was einen glücklich macht. Und der Erfolg ist nicht immer ein Zeichen von Selbsterfüllung. Das ist es ganz bestimmt nicht.

Du magst die Idee, in einem einzigen Koffer alles Wichtige dabei haben zu können und den immer noch tragen zu können. Sind Promotion-Touren für Dich dann eher ein Traum oder Stress?
Also, das hat sich bei mir in den letzten Jahren auch ein bisschen verändert. Ich dachte früher immer, es würde mir ein bisschen Freiheit verloren gehen, wenn ich die Zeit, die ich für mich habe ausgebe und soviel unterwegs bin, gefangen bin von meinem Terminplan. Heute weiß ich natürlich, dass alles das, was ich tue, für meine Freiheit ist und mir überhaupt erst die Freiheit gibt, das tun zu können, was ich will und unabhängig zu sein, und mit meiner Musik Geld zu verdienen. Das ist natürlich auch 'ne oberflächliche und naive Sichtweise gewesen und heute sehe ich das natürlich schon anders.

Hamburg ist Deine Heimatstadt, aber Dich reizen auch Städte wie Paris, London oder Rom. Warst Du schon in diesen Städten?
Ich war schon dort. In Paris natürlich unendlich oft und ich frag' mich immer, was wäre denn, wenn ich da wirklich mal ein paar Monate leben würde. Vielleicht würde auch ein bisschen Fantasie und auch so 'ne Illusion zerstört werden, weil ich glaube, von Paris zu träumen und die Möglichkeit zu haben, theoretisch alles machen zu können, ist, glaube ich, wichtiger, als das dann tatsächlich zu tun. Ich bin natürlich Hamburgerin und ich hab' hier meine Basis, meine Freunde, meine Familie und ich fühl' mich so wohl hier, aber ich find's schön zu wissen, ich könnte es auch anders tun. "Furchtbar dran gewachsen"

Was hat sich seit Deinem ersten Album "Bohème" am meisten verändert?
(lacht)Was hat sich am meisten verändert? Hmm, das Verhältnis zu mir selbst. Ich hab' mich verändert, ganz doll. Muss ja nicht immer negativ sein. Ich bin furchtbar dran gewachsen - wirklich. Über so viele Schatten zu springen. Ich kann mich noch an mein erstes Konzert erinnern, in Lüneburg, und ich war unglaublich aufgeregt, hatte solches Lampenfieber. Und all diese ganzen Dinge, die man so überwunden hat, wo man gemerkt hat, genau das ist was mich reizt eben, das zu überwinden, seine Ängste. Das ist wunderbar und daran wächst man. Ich bin stärker geworden, ich bin nicht mehr so sensibel und es tut mir auch ganz gut nicht immer alles so ernst zu nehmen.
Du bist ja schon mehrfach ausgezeichnet worden und wirst für "Das optimale Leben" sicher wieder Preise bekommen...
Ha, wer weiß?!

...Wer oder was würde in Deiner Dankesrede vorkommen?
Ich muss an dieser Stelle zugeben, damals, als ich zum Beispiel den Echo bekommen habe (2004 als Künstlerin des Jahres national Rock/Pop, Anm. d. Red), war das natürlich auch ein Rausch. Ich bin auf die Bühne gegangen und ich dachte immer: "Oh, Gott, hoffentlich fall' ich nicht hin oder brech' mir einen Hacken ab." Es war so rutschig und es waren Treppen und es war noch ein ganz weiter Weg dahin - und ich habe damals vergessen, mich bei meinen Fans zu bedanken! Das hab' ich nicht mit Absicht gemacht, aber ich war natürlich einfach sehr ergriffen und ich würde mich als Allererstes natürlich auch bei meinen Fans bedanken, meinem Publikum, dass, glaube ich auch, zu großen Teilen das Publikum der ersten Stunde ist. Ich treff' sehr häufig Leute, die mir schreiben: "Ich war bei deinem ersten Konzert dabei, jetzt ist es schon das dritte." Und: "Wir freuen uns so und warten schon ganz sehnsüchtig auf das dritte Album." Und das ist natürlich toll, wenn man mit seinem Publikum wächst, wenn die einen so begleiten. Das wäre der größte Dank für mich. Und natürlich auch an Frank Ramond, meinen Partner, ohne den meine Arbeit, meine Alben nicht so werden würden, wie sie sind, und von dem ich auch viel gelernt habe.

Spielst Du eigentlich selbst ein Instrument?
Ja, ein bisschen Gitarre. Ich kann's schon ein bisschen. Ich hab's mal gelernt, als kleines Mädchen, klassische Konzertgitarre und auch Noten und irgendwann fand ich das dann so schrecklich langweilig, weil ich dazu immer nie singen konnte und weil das alles so abstrakt war. Ich hab's dann leider, wie das so oft bei Mädchen ist, in der Pubertät aufgegeben, wo dann die meisten Jungs anfangen, ein Instrument zu lernen, das ist ja auch 'ne ganz gute Art und Weise, sich Selbstbewusstsein zu verschaffen. Und das ist natürlich klar, an 'nem Instrument muss man dran bleiben und man muss üben und man muss diszipliniert sein, dann wird man gut. Und das hab' ich dann leider ein bisschen verpasst. "Ich wär' kein van Gogh"

Du hast Kunst studiert, fehlt Dir das jetzt manchmal?
Nein, gar nicht. Ich fühl' mich manchmal sogar noch ein bisschen unter Druck oder ich setz' mich selbst unter Druck, dass ich denke: "Mensch, Du kannst das nicht ganz so aus der Hand geben, setz' dich mal ran und versuch' mal wieder, was zu machen." Dann merke ich, dass ich so ungeduldig geworden bin, und so schnell. Und dass es für mich momentan gar keine Möglichkeit gibt, mich so visuell auszudrücken, weil ich einfach nicht mehr die Ruhe hab', tagelang an etwas zu arbeiten und das ist momentan nicht die Zeit dafür. Ich vermisse es auch nicht, aber ich weiß, dass das ganz ganz wichtig für mich war, und die Zeit schon allein, die ich in meinem Kunststudium hatte, mich selbst zu entdecken und mir die Zeit zu geben, Musik zu machen, herausfinden zu können, worin ich gut bin, gut werden kann. Denn das ist ein Punkt: Beim Malen und beim Singen ist es immer so offensichtlich, weil es Schulfächer sind, aber ganz viele Leute, glaube ich, entdecken gar nicht, worin sie wirklich gut sind, weil sie das nie rausfinden können. Und das ist ein so wichtiger Punkt, dass ich das schon von Anfang an so konnte, das ist ein großes Glück.

Wird die Musik auch in Zukunft bei Dir im Vordergrund stehen?
Ich hoffe natürlich. Also, ich kann's mir auch vielleicht gar nicht anders vorstellen, aber ich bin nicht mehr jemand, der von Berufung spricht, weil mich das unter Druck setzt und da kommen wir dann auch wieder an den Punkt, dass Leute vielleicht nicht so viel Glück haben, und dann geht die Welt auch nicht unter. Und ich brauch' eben mein Publikum, um das machen zu können, was ich will. Ich wär' kein van Gogh, der sein Leben lang ohne Bestätigung einfach immer weitermacht. Ich glaube, dass es eben diese Liebe ist, die man gibt, die einen irgendwie kickt und weiterlaufen lässt. Aber wenn's nicht anders geht, würde ich auch was Anderes machen können. Ich bin jemand, der Risiken eingeht und ich hab' keine Angst vor der Zukunft, nicht wirklich.

Was machst Du, wenn Du nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommst?
Ich frag' mich wirklich ganz ernsthaft: "Was mach' ich denn dort wirklich?". Ich hab' gemerkt, dass es ganz wichtig ist, dass man auf sich achtet, auf seinen Körper, auf seine Gesundheit, denn das ist ein großer Stress-Bewältiger. Ein bisschen Sport, ein bisschen Bewegung, ein bisschen Pflege, gutes gesundes Essen, viele Vitamine, das lässt mich noch mal viel schneller werden, das ist so unglaublich. Und da hab' ich am Anfang auch ein bisschen zu wenig auf mich aufgepasst, immer dieser Kaffee und die Zigaretten und ständig das Gewarte und dann spät nachts noch irgendwie, das ist nicht gut. Und heute geht's mir viel besser, wo ich das ein bisschen im Griff hab', und dann kann man auch viel mehr leisten.

Du machst Werbung für ein Konsolenspiel. Spielst Du auch selbst?
Ich spiele gern selbst, ja. "Die Siedler" ist natürlich ein süßes Spiel, auf jeden Fall. Ich hab' den kleinen DS (Handheld-Konsole, Anm. d. Red.) auch zu Hause und das "Gehirn-Jogging" und solche Sachen, da kann ich mich dran festbeißen. Und ich bin äußerst "Tetris"-süchtig gewesen. Ich musste es leider vom Computer löschen, genauso wie die "Moorhühner" auch. Ich hab' dann halt den Hang, so'n Spiel tagelang weiterzuführen und wie so 'ne Bescheurte die Highscores knacken zu wollen. Da muss ich mich ein bisschen disziplinieren, dass ich da nicht zu viel Zeit drauf verwende. Da bin ich suchtgefährdet.

Wenn Du's Dir aussuchen könntest, wofür würdest Du noch Werbung machen?
Oh, ich finde, Werbung ist ein ganz schwieriges Thema.

Es hat ja auch lange gedauert, das Lied ("Das Spiel", Anm. d. Red.) hätte sich ja eigentlich längst aufgedrängt...
Es drängte sich auf. Natürlich ist das für 'nen Spiele-Hersteller dann irgendwie ganz plakativ. Deshalb haben wir es auch gemacht, weil ich den Spot eigentlich ganz süß fand und die Firma gut. Aber ich bin ganz vorsichtig, das sage ich ganz ehrlich. Das müsste dann irgendwie eine so tolle Zusammenarbeit sein und ein tolles Konzept, das kann ich vorher nicht sagen. Ich würde aber nicht alles machen, um Gottes Willen, weil da gibt man ganz schön viel aus der Hand als Künstler. Das hat viel mit Glaubwürdigkeit zu tun, da bin ich ganz vorsichtig. "Prinzipiell ärgert mich das Lolita-Klischee nicht"

Du besingst viele Klischees, es wurden aber auch viele auf Dich projiziert. Und Du gibst auch welche zu, zum Beispiel, dass Du als Beifahrerin keine Karten lesen kannst. Über welches Klischee kannst Du Dich aber richtig ärgern?
(lacht) Ja. Obwohl das mit dem Karten lesen und der Beifahrerin - da tue ich natürlich nur so. Weil ich auf diesen Job unglaublich wenig Bock hab'. Wenn ich dann Karten lesen muss, das nervt mich. Da tue ich dann so, als könnte ich das nicht. Ein guter Vorwand. Ich glaub’, prinzipiell ärgert mich eigentlich das Lolita-Klischee nicht. Natürlich in so geballter Form, irgendwann ist das einfach zu viel, irgendwann ist das auch nichts Neues mehr. Ich will mich auch nicht wiederholen. Und es scheint ja auch für die Medien wirklich so plakativ und griffig zu sein, dass sie's auch immer wieder nutzen, und einbauen in Themen, in Beiträge. Mich stört eigentlich immer nur dann etwas, ja, ich glaube, wenn die Leute irgendwie mit zu großen Vorurteilen dann einfach an mich rangehen - durch meine Optik, durch all das, was sie gehört haben, obwohl sie eigentlich gar nicht so viel wissen über mich und über das, was ich mache, vorverurteilen. Ich tue das ja auch manchmal, aber ich finde, da muss man immer vorsichtig sein. Das ärgert mich manchmal ein bisschen. Aber das spornt mich auch an, weil man immer wieder auch zeigen kann, was man kann und will und ist.

In Deinen Songtexten steckt ja zum Teil auch Autobiografisches. Stimmt es zum Beispiel, dass Du Dir schlecht Namen merken kannst - wie im Song "Dings" beschrieben?
Oh, das "Dings" - schlimm! Und ich werde sogar aggressiv, wenn ich mal irgendwie auf was nicht komme - dass es mich den ganzen Abend wurmt. Gott sei dank gibt’s ja "Google" und das Internet, dass man schnell dann auch das nachvollziehen kann und sich die Informationen holt. Ja, das kenne ich auch schon. Und ich hoffe, das wird nicht schlimmer. Aber ich befürchte, es wird immer schlimmer.

In Deiner Single ("Das alles wär’ nie passiert") singst Du über "die alberne Anbagger-Wette im Urlaub und die Hochzeit danach" - war's bei Dir und Deinem Mann wirklich so?
Nein! Um Gottes Willen. Aber ich wusste, dass das kommt, deswegen hab' ich's auch genommen. Ja, es ist plakativ. Das bewegt sich immer zwischen autobiografischen Dingen und natürlich auch Klischees, die man so nutzt. Ich stell' mir immer beim "Tattoo" (im Lied fragt sie sich: "Wieso bin ich gepierct und was soll dieses Schlangen-Tattoo", Anm. d. Red.) vor, dass so'n großer, kräftiger Mann morgens vom Kiez aus so nem Tattoo-Shop kommt, und dann auf einmal "Sonja" auf dem Arm stehen hat. Und das Piercing allerdings ist eine Jugendsünde, dieses fast zugewachsene kleine Nasenloch hier. (zeigt) Das bereue ich echt sehr. Und das war mit einer Freundin zusammen, auch morgens, noch ein bisschen euphorisiert, und das hätte ich nicht machen sollen. Weil: Es ist immer da!

Welche Art von Musik hörst Du privat?
Ganz gemischt. Ich bin früher natürlich mit Pop-Musik aufgewachsen, aber man muss ja auch erst mal seinen Geschmack entwickeln, und finden, was man so mag. Von jazzigen Geschichten bis hin zu Coldplay, Rammstein. Ich befasse mich natürlich auch mit dem neuen französischen Chanson, Camille, Carla Bruni. Es gibt eine brasilianische neue Sängerin, Céu, keiner weiß, wie man sie ausspricht, auch eine ganz tolle Platte - strange, und so kreativ und so toll. Da versuche ich natürlich auch immer, so neue Sachen zu finden. Und ich muss sagen, ich komm' leider so selten dazu, so ein richtiges Album vollkommen durchzuhören, weil man ständig von Musik umgeben ist, und weil es immer weniger besondere Präsentationsmöglichkeiten gibt, dass ich mich zwingen muss, mich manchmal hinzusetzen und mich wirklich auf ein Album zu konzentrieren. Und dann berührt es mich auch wieder. Aber das ist schwer geworden in der heutigen Zeit.

Gehst Du denn auch manchmal zu Konzerten?
Ja! Das letzte Mal war ich bei Barbra Streisand, in Berlin. Ja, ich war tatsächlich da, und es war sehr schön. Wunderbar, tolle Sängerin. Und das Publikum hat sie gefeiert. Und wenn die Medien sich auch sehr über den Teleprompter ausgelassen haben (lacht) - sie hat einfach überzeugt, Sympathie ist ihr zugeflogen.

Was ist das Schönste bei Deinen eigenen Konzerten?
Den Menschen ins Gesicht zu schauen und zu merken, dass sie einem zuhören, und dass sie das berührt. Und wenn ich einen Song wie "Läuft alles perfekt" singe, und da sitzt ein Mädchen vor mir, das weint, aus vollem Herzen... Oder wenn die Leute lachen, sich in den Armen liegen, und sich an den Händen fassen - oder auch aufgeregt sind. Das ist fantastisch!

Dann wünsche ich Dir eine schöne Tour im Winter! Vielen Dank!
Und Dir vielen Dank für das nette Gespräch.

Das Interview führte NDR 2 Reporterin Kirsa Kurz am 28.8.2007

Nach oben

Annett Louisan zu Gast auf der NDR1 Welle Nord


Es ist erst ihr drittes Album, das die 1979 geborene Sängerin Annett Louisan veröffentlicht und schon gilt sie als die "Grande Dame des deutschen Chanson". Viel Lorbeer, der die junge Künstlerin auch verunsichert, und sie nach den Wegen des Lebens fragen lässt. Das Thema, um das nun alle Songs auf ihrer neuen CD kreisen. Zu Gast im Studio der NDR 1 Welle Nord hat Annett Louisan im Gepräch mit NDR 1 Welle Nord Reporter Markus Stratmann ihre Neuerscheinung persönlich vorgestellt.

Wahre Begebenheiten aus dem Leben

Auch das neue Album hat Annett Louisan in Zusammenarbeit mit Texter Frank Ramond und den Komponisten Matthias Hass und Hardy Kayser produziert und so finden sich auch auf diesem Album die schönen, oft selbstironischen Wortspielereien wie in den vorangegangenen Alben "Bohème" und "Unausgesprochen". Gleich der Titelsong "Das alles wär nie passiert ohne Prosecco" dreht sich ironisch um die Momente der "Bewusstseins-Vernebelung". Auch Anspielungen auf Erlebnisse von Annett Louisan? "Nein, ...es sind natürlich kleine Kunstgriffe und Übertreibungen, die manchmal für so einen Song wichtig sind", doch einen kleinen, privaten Kern und wahre Begebenheiten gebe es schon, fügte Annett Loiusan an. Es gebe da ein kleines Loch in der Nase - ein Piercing - das bereue sie heute natürlich schon.

"Wir sind ursprünglich nur kleine Zwischenfälle"

Im Song "Kleine Zwischenfälle" geht's auch um Annett Louisans eigene Lebensgeschichte - auch wenn die Namen frei erfunden sind. "Wenn ich - übertrieben - gesagt habe, ich bin das Ergebnis eines One-Night-Stands, reagierten die Leute immer unheimlich geschockt und guckten mich immer ganz entgeistert an." Auch wegen dieser Reaktion habe es sie einfach gereizt "das Thema des Schicksals der Entstehung in einem Song zu verarbeiten", so Annett Louisan. Doch nicht nur das eigene Leben ist Ausgangspunkt für ihre Lieder: "Ganz viele Leute schreiben mir - insbesondere von Schicksalsschlägen - das berührt mich natürlich und das will ich in meiner Arbeit und in meinen Songs auch verarbeiten." Und so entstand das Lied "Ende Dezember", eine traurige Ballade über den Verlust eines Lebens, aber mit dem tröstlichen Gedanken, dass die Liebe deswegen nicht stirbt.

Abwechslungsreicher, deutscher Chanson

Der Titel der CD "Das optimale Leben" ist daher vielleicht etwas irreführend. Es ist kein reines Spaß-und-Gute-Laune-Album - aber es ist typisch Louisan. Denn die wunderschönen Wortspiele mit der deutschen Sprache fehlen nicht. Und die Elemente von Walzer, Blues, Bossa Nova, afrikanischen Klängen und Rock 'n' Roll zu dem textlastigen Chanson machen dieses Album wieder interessant und abwechslungsreich zugleich.

Stand: 02.09.2007 12:05 © www.wellenord.de

Das Interview mit Annett Louisan: Länge 12:11 Minuten
Mit NDR 1 Welle Nord Reporter Markus Stratmann hat Annett Louisan ausführlich über ihr Leben geplaudert: Bilder.

Alle Fotos und Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne schriftliche Genehmigung verwendet bzw. nicht ohne entsprechende Verlinkung genutzt werden.

Nach oben

©2004 - 2010 Offizieller Annett Louisan Fanclub